Studienreise nach Wroclaw im Rahmen der Projekte „BMii 4.0“ und „GUTE ARBEIT in Sachsen-Anhalt“

Vom 8.-10.10.2018 begab sich eine Delegation aus Sachsen-Anhalt auf Studienreise nach Polen. Die Gruppe bestand aus Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus sachsen-anhaltinischen Betrieben, aus Vertreterinnen und Vertretern vom Arbeitsgeberverband Nordostchemie e.V. und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sowie Teilnehmenden aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration Sachsen-Anhalts.

Mittelpunkt der Studienreise war die internationale Tagung am 9.10.2018 in der „Hochschule für Sozialwissenschaften“ in Swidnice (Schweidnitz). Unter dem Titel „Digitalisierung und die Rolle der Betriebsparteien im internationalen Kontext“ traten die belgischen, polnischen und deutschen Teilnehmenden in einen regen Austausch zu den Bedingungen sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie Gewerkschaften.

Am Anfang stand ein Grußwort durch den Dekan der Hochschule Jarosław Szandurski, welcher die Teilnehmenden willkommen hieß und der Tagung einen guten Verlauf wünschte.

Jan Melzer, Gewerkschaftssekretär der IG BCE Bezirk Halle-Magdeburg, erläuterte in seinem Vortrag welche die formalen Voraussetzungen in Deutschland für die Zusammenarbeit der Betriebs- und Sozialpartner sind und wie diese in der gelebten Umsetzung in den Betrieben Anwendung finden. Aus Sicht der Arbeitgeber stellte Bernd Wolter vom Arbeitgeberverband Nordostchemie e.V. die Vorteile von Tarifverträgen für die verbandsgebundenen Unternehmen am Beispiel der Chemiebranche dar. Als Vertreter der Industrie- und Handelskammer der Sudeten in Swidnica gab Ryszard Sobański Einblicke in die regionalen Bedingungen für Unternehmen, die in der Region Swidinica aktiv sind. An Beispielen stellte er die Aktivitäten der Kammer zur Stärkung des sozialen Dialogs in der Region dar.

Im zweiten Teil der Tagung wurden die Rahmenbedingungen für die Bewältigung der Herausforderungen des digitalen Wandels in der Ökonomie diskutiert. Einen ersten Einblick gab Wolfgang Beck, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt. Er erläuterte in seinem Vortrag die Möglichkeiten zur Gestaltung der Digitalisierung aus der Perspektive der politisch Verantwortlichen. Dabei ging er auf die demografische Situation im Land genau so ein, wie auf die noch zu verbessernde Infrastruktur als Voraussetzung für zukünftige Übertragung von sehr großen Mengen digitaler Daten. Die „Digitale Agenda des Landes Sachsen-Anhalt” stellte Herr Beck als Leitfaden für das politische Handeln auf diesem Politikfeld vor. Besondere Erwähnung fand die Rolle der Betriebsrätinnen und Betriebsräte in den Betrieben bei der Umsetzung von Projekten mit digitalen Schwerpunkten in den Unternehmen. Die Einbindung der Belegschaft in ein Digitalisierungsprojekt von Projektstart ab, nicht erst bei der Umsetzung oder Einführung einer neuen Softwarelösung, stellte er als zentrale Zielstellung dar.

Ein praktische Lösungsansatz konnte Norman Reich von der InfraLeuna GmbH präsentieren. In seinem Vortrag erläuterte er das Vorgehen der InfraLeuna GmbH im Rahmen der betrieblichen Digitalisierungsprojekte. Entscheidend, so Norman Reich, sei die strukturelle Aufstellung und Ausrichtung der Betriebsratsgremien. Der Betriebsrat der InfraLeuna GmbH konnte in einem Evaluierungsprozess erkennen, dass die Betriebsratsstrukturen besser an die Managementstrukturen des Unternehmens amgepasst werden müssen, um auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Somit gelingt es im Betrieb Projekte von Beginn an, auch als Initiator, sozialpartnerschaftlich umzusetzen.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Michał Szukała, Stellvertretter des Vorsitzendes der Sonderwirtschaftszone in Wałbrzych. Mit dem Ziel internationale Investoren in die Wirtschaftszone zu holen, so erläuterte er, sind auch Herausforderungen interkultureller Besonderheiten zu beachten.

Im Anschluss wurde rege die Rolle der Sozialpartner in den am Austausch beteiligten Ländern diskutiert.

Besonderer Dank gilt der Geschäftsführerin der Stiftung Faveo, Magdalena Mazik-Gorzelańczyk, für die Organisation vor Ort, die hervorragende Übersetzung und der Begleitung unserer Delegation.

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