Die Projekte „SOPHIE“ und „GUTE ARBEIT in Sachsen-Anhalt“ präsentierten sich beim Erfahrungsaustausch der Chemiesozialpartner im Tarifgebiet Nordost zum Potsdamer Modell

Am 28. November 2018 trafen sich die Sozialpartner der Chemie im Tarifgebiet Nordost zum Erfahrungsaustausch zum Potsdamer Modell. Das Potsdamer Modell führt zu einer dreistufigen Absenkung der Wochenarbeitszeit im Tarifgebiet Nordost der Chemie mit Beginn im Januar 2019. Das Ziel ist die Anpassung der Arbeitszeit im Nordosten an das übrige Bundesgebiet in drei Schritten mit Beginn 2019, einer Fortsetzung in 2021 und 2023. Den Betriebsparteien lässt der ausgehandelte Mantel eine Menge Spielräume für die Anpassung an die spezifischen betrieblichen Bedürfnisse. Genau dies stellten die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgeberverbände und der Gewerkschaft als besonders und innovativ heraus. Sowohl die Spitzen des AGV Nordostchemie e.V. um den Vorsitzenden Herrn Fuchs und Verbandsgeschäftsführerin Frau Schmidt-Kesseler   als auch die Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie um Landesbezirksleiter Herrn Oliver Heinrich lauschten den Ausführungen der betrieblichen Vertreter/innen bei deren Erläuterungen zum Stand der Umsetzung des Verhandlungsergebnisses auf betrieblicher Ebene.

Drei Ansätze der Umsetzung wurden vorgestellt. Dabei wurden die Perspektiven der Betriebsparteien durch die Diskutanten sehr gut verdeutlicht. Die Verschiedenheit der Strukturen der Flächentarifbetriebe wurde an hand der Beispiele offenbar. Konzenz herrschte bei allen, dass eine betriebliche Umsetzung den unbedingten Willen aller voraussetzt ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Gelebte Sozialpartnerschaft mit Vorbildfunktion für viele andere Branchen – so lobte auch der Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, Herr Prof.Dr.-Ing. Steinbach in seinem Grußwort die Sozialpartnerschaft in der Chemie. Die Chemie stimme, startete auch Frau Schmidt-Kesseler in ihre Rede und stellte ihre Perspektive rückblickend auf die Verhandlungen zum Tarifvertrag dar.

Herr Dr. Seifert von der Hans-Böckler-Stiftung wagte sich in seinem Vortrag an die Frage: Was ist mehr Wert – Freizeit oder Geld? Aus seiner Sicht werden künftige Tarifverhandlungen sich weiter auf die individuellen Wahlmöglichkeiten für Beschäftigte und deren Wünsche verlagern. Die Datenlage zeige, dass die Wünsche der Beschäftigten sich –  insbesondere bei Schichtarbeit – auf mehr Freizeit verschieben. Nicht das Mehr an Geld steht im Mittelpunkt, sondern auch die Wahl mehr Freizeit statt Geld zu bekommen, so Seifert.

Eine Herausforderung sehen alle Gäste und Beteiligten in dem Aspekt, dass eine verminderterte Wochenarbeitszeit eine Steigerung der Anzahl an Fachkräften in den Betrieben verlangt.

Hier setzen die Angebote der Projekt „SOPHIE“ und „GUTE ARBEIT in Sachsen-Anhalt“ an und unterstützen die Umsetzung auf betrieblicher Ebene.

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