Vision 2050 – Die neue Agenda für Unternehmen.

Der Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung legt mit der “Vision 2050” Anforderungen an und Vorschläge für eine nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2050 vor. Zahlreiche Vorschläge und Diskussionsansätze für die Anforderungen an die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in der Zukunft.

Vision 2050 – Die neue Agenda für Unternehmen.

Von Helmut Krodel und Peter Schmitt

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Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) hat mit der “Vision 2050” (englische Fassung 80 Seiten, deutsche Kurzfassung 24 Seiten) Anforderungen an und Vorschläge für eine nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2050 vorgelegt.

Der WBCSD (Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung) wurde 1995 gegründet und ist ein von Unternehmens-vorständen geleiteter Zusammenschluss von rund 200 internationalen Unternehmen aus 36 Ländern.

Der WBCSD beschäftigt sich ausschließlich mit nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung und bietet Unternehmen eine Plattform, um gemeinsame Möglichkeiten nachhaltiger Entwicklung zu sondieren und Wissen, Erfahrungen und Best Practise auszutauschen.

Des weiteren vertritt er den Standpunkt der Wirtschaft zu diesen Themen in verschiedenen Foren und in Gemeinschaftsprojekten mit Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und zwischenstaatlichen Organisationen.

Aus Deutschland gehören dem WBCSD 14 Großunternehmen an:

Adidas, Allianz, BASF, Bayer, BMW, Continental, Deutsche Bank, Deutsche Post, E.on, Evonik Industries, HeidelbergCement, Henkel, Siemens, Volkswagen.

Für das Projekt Vision 2050 entwickelten 29 weltweit tätige Unternehmen des WBCSD (darunter aus Deutschland: Allianz, E.on, Evonik Industries und Volkswagen) aus 14 Branchen eine gemeinsame Vision von einer Welt, die 2050 auf dem Weg zur Nachhaltigkeit ist, und eine Beschreibung dieses Weges.

Das Projekt „Vision 2050“ widmete sich drei Fragen:

  • Wie sieht eine nachhaltige Welt aus?
  • Wie kommen wir dorthin?
  • Was kann die Wirtschaft beitragen, damit wir das Ziel schneller erreichen?

Den Inhalt der „Vision 2050“ erarbeiteten die Unternehmen mit hunderten VertreterInnen der Wirtschaft, von Regierungen und der Zivilgesellschaft mit regionalen Partnern und Experten. Es finden sich darin auch zahlreiche Schaubilder mit Prognosen zu Treibhausgasentwickung, Umweltschäden, Ressourcenentwicklung und ökologischem Fußabdruck.

Die „Vision“ versteht sich weder als eine Arbeitsanleitung noch eine Vorschrift, sondern eine Grundlage für Diskussionen und weitere Fragen.

Das bestmögliche Ergebnis wäre, kurz gesagt, eine Erde mit 9 Milliarden Menschen die gut – mit ausreichend Nahrung, sauberem Wasser, Abwasserentsorgung, Wohnraum, Mobilität, Bildung und Gesundheitsversorgung – und in Einklang mit den Ressourcen leben, die dieser kleine, verwundbare Planet uns täglich neu zur Verfügung stellen kann. (S.1)

Der Bericht bewertet zwei Szenarien: „Weiter so wie bisher“ und „Vision 2050“.

Zu dem Szenario „Weiter so wie bisher“ stellt der WBCSD fest:

„Wir besitzen alles, um gut und im Einklang mit den begrenzten Ressourcen der Erde zu leben: wissenschaftliche Erkenntnisse, bewährte und neue Technologien, Finanzmittel und Kommunikation in Echtzeit. Trotzdem sind unsere Gesellschaften auf einem Weg, der ihre Grundlagen bedroht. Bevölkerungswachstum und (in den meisten Ländern) Konsum verbinden sich auf gefährliche Weise mit jener Gleichgültigkeit, die entsteht, wenn das Wachstum durch Lenkungsprozesse und Vorschriften unzureichend gesteuert wird.

Diese Entwicklung stellt eine Gefahr für Umwelt und Gesellschaft dar.“ (S.4)

Das Szenario „Weiter so wie bisher“, so der Bericht, führt weder zu Nachhaltigkeit noch zu wirtschaftlichen und sozialen Erfolg. (S.4)

Für das Szenario „Vision 2050“ werden folgende entscheidende Schritte für einen nachhaltigen Entwicklungspfad formuliert:

  • „die Auseinandersetzung mit den Entwicklungsbedürfnissen von Milliarden Menschen, Förderung von Bildung und wirtschaftlicher Emanzipation – vor allem von Frauen – und die Entwicklung von umweltschonenden Lösungen, Lebensweisen und Verhaltensweisen;
  • die Berücksichtigung der Kosten externer Faktoren, beginnend mit CO2, Ökosystemdienstleistungen und Wasser;
  • die Verdoppelung des landwirtschaftlichen Ertrags bei gleich bleibender Fläche und Wassermenge;
  • die Beendigung von Abholzung und die Ertragssteigerung bei künstlichen Wäldern;
  • die Halbierung der globalen CO2- Emissionen bis 2050 (gegenüber 2005), und sinkende Treibhausgasemissionen nach einem Höhepunkt 2020 durch Umstieg auf klimaschonende Energiesysteme und massiv erhöhte nachfrageseitige Energieeffizienz;
  • die weltweite Verfügbarkeit klimaschonender Mobilität;
  • eine vier bis zehn Mal effizientere Nutzung von Roh- und Werkstoffen.“

Durch diese – und weitere – Veränderungen kann es uns gelingen, 2050 die Naturressourcen von nur etwas mehr als einer Erde zu verbrauchen, während wir bei Fortführung unserer heutigen Lebensweise 2,3 Mal so viel verbrauchen würden.“

Bezüglich der zukünftigen Umwälzungen zeigt der Bericht vielfältige Chancen für viele Wirtschaftssektoren:

Die globalen Problemfelder Wachstum, Urbanisierung, Ressourcenknappheit und Veränderungen der Umwelt werden im nächsten Jahrzehnt die strategische Ausrichtung von Unternehmen bestimmen. Allein in den Bereichen natürliche Ressourcen und Gesundheit und Bildung könnten sich im Jahr 2020 Marktchancen in einer Größenordnung von USD 0,5 bis 1,5 Billionen ergeben, die (auf Basis heutiger Preise) im Jahr 2050 bereits auf USD 3 bis 10 Billionen steigen. Das entspricht 1,5 bis 4,5% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2050.

Die Realisierung der wirtschaftlichen Chancen der Vision 2050 erfordert allerdings, nach dem Bericht, auch eine Weiterentwicklung von Arbeitsplätzen und Arbeitgebern:

Diejenigen Unternehmen liegen nun vorne, deren Kerngeschäft zur Bewältigung der großen globalen Herausforderungen beiträgt. Die Werte der Firmen haben sich in den vier Jahrzehnten bis 2050 tiefgreifend gewandelt und ihr Handeln hat sich an die veränderten Marktbedingungen angepasst. Viele Unternehmen haben diesen Wandel nicht überlebt, zugleich sind aber auch viele neue Unternehmen entstanden. Die überlebenden Unternehmen sind flexibler, können besser mit unterschiedlichen Partnern und Kunden zusammenarbeiten und mit schnellen Veränderungen jeder Art gut umgehen. Sie haben gezielt Maßnahmen ergriffen, um Energie- und Materialverschwendung zu beenden und festgestellt, dass geschlossene Wiederverwertungskreisläufe nicht nur die Umweltverschmutzung verringern, sondern auch die Zusammenarbeit und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Als Arbeitgeber tragen diese Unternehmen durch Weiterbildung zu mehr Kreativität bei und stärken damit die Fähigkeit der Gesellschaft, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten und die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Weiterbildung befähigt genügend Menschen dazu, die nötigen Veränderungen umzusetzen. Auch die Arbeitskräfte sind flexibler geworden und ziehen bereitwillig dorthin, wo Arbeitsplätze verfügbar sind.(S.9)

Der Bereich der Bildung spielt zur Umsetzung der „Vision 2050“ eine besondere Rolle:

„Die klimaschonende und dienstleistungsorientierte Wirtschaft der Zukunft braucht erweiterte Bildungsangebote, um Arbeitskräfte weiterzubilden, neuen Gruppen – z.B. Frauen und Älteren – Zugang zu Arbeit und Unternehmertum zu ermöglichen und fundierte Konsumentscheidungen zu fördern.

Regierungen und Unternehmen werden in schulische Infrastruktur investieren und die Lehrinhalte ausweiten, um das Wissen der Menschen über natürliche Systeme zu erhöhen („natürliche Bildung“) und so ihr Konsumverhalten positiv zu beeinflussen. Dieser Ausbau des Bildungswesens bietet Chancen durch die Entwicklung und Bereitstellung von Gebäuden, Inhalten, Technologien und sonstigen Gütern und Dienstleistungen.“ (S.18)

Abschließend formulieren die Autoren des Berichtes der „Vision 2050“:

Die Zukunft beginnt jetzt.
Dieser Bericht ist der erste Schritt auf einer vier Jahrzehnte dauernden Reise. Er versteht sich als Anregung zum Dialog und als Aufruf zum Handeln. Nur durch Zusammenarbeit, Überzeugung und Mut können wir die für langfristigen Wohlstand nötigen radikalen Veränderungen planen und umsetzen und zugleich im Hier und Heute erfolgreich bleiben. Unternehmensführer werden den Wunsch und die Aufgabe haben, am Weg zur Nachhaltigkeit Vorreiter zu sein. Wir laden auch die Entscheidungsträger in Politik und Zivilgesellschaft ein, diesen schwierigen, aber aufregenden Weg mitzugehen. (S.20)

Die „Vision 2050“ bietet aus Sicht der Wirtschaft zahlreiche Vorschläge und Diskussionsansätze für die Anforderungen an die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in der Zukunft.

Der Bereich der Aus- und Weiterbildung kann hierzu mit entsprechenden Angeboten und Sensibilisierungen substanzielle Beiträge leisten um diese Ziele mit umzusetzen.

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