QFC CSR Info 1/2011 „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“

Das QFC wird in seinem CSR-Info zukünftig in unregelmäßigen Abständen über aktuelle Entwicklungen, Informationen und Studien im Zusammenhang mit Q3SQ, CSR, Global Compact und Nachhaltigkeit informieren.
Abonnieren Sie unsere News und bleiben Sie auf dem Laufenden!

QFC_CSR_Info_1_2011

Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft

Am 25.November 2010 präsentierten Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer von 21 deutschen Großunternehmen ein „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“.

Zu den Erstunterzeichnern des Leitbildes gehörten u. a. Dr. Josef Ackermann (Deutsche Bank AG), René Obermann (Deutsche Telekom AG), Prof. Martin Winterkorn (Volkswagen AG), Dr. Dieter Zetsche (Daimler AG), Dr. Eckhard Cordes (Metro AG) und Franz Fehrenbach (Robert Bosch GmbH).

Aus dem Organisationsbereich der IGBCE unterzeichneten u. a. folgende Unternehmensvertreter:

Dr. Klaus Engel (Evonik Industries AG), Dr. Jürgen Hambrecht (BASF SE), Kasper Rorstedt (Henkel AG & Co. KGaA), Dr. Johannes Teyssen (E.ON AG) und Dr. Karl-Ludwig Kley (Merck KGaA)

In dem Leitbild verpflichten sich die Unternehmen mit konkreten Maßnahmen und anhand verlässlicher Standards dem Vertrauensverlust vieler Bürger in die Führungskräfte der Wirtschaft entgegenzuwirken.

Die Prinzipien des Leitbildes:

  • Die Wirtschaft muss das Wohl der Menschen fördern.
  • Wirtschaften zum Wohl der Menschen erfordert Wettbewerb.
  • Wirtschaften zum Wohl der Menschen beruht auf Leistung.
  • Wirtschaften zum Wohl der Menschen erfolgt global.
  • Wirtschaften zum Wohl der Menschen verlangt Nachhaltigkeit.
  • Wirtschaften zum Wohl der Menschen setzt verantwortliches Handeln der Entscheider voraus.

Zur Globalisierung findet sich u. a. folgende Formulierung:

„Der globale Wettbewerb benötigt allerdings faire und verlässliche Regeln, damit Vorteile für alle Menschen entstehen können. Mit den OECD Leitsätzen für multinationale Unternehmen, der Grundsatzerklärung der ILO und dem Global Compact der Vereinten Nationen sind bereits Initiativen etabliert, die in diese Richtung weisen. Wir unterstützen die Ziele dieser Initiativen.“

Zu Nachhaltigkeit:

„Die begrenzte Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen, Kapital, Zeit, Wissen und individuellen Fähigkeiten verpflichtet die Wirtschaft, zum Wohle der Menschen fortlaufend nach besseren Wegen der Ressourcennutzung zu suchen.

Wertschöpfungsprozesse sind deshalb immer wieder auf ihre Effizienz hin zu prüfen und zu verbessern. Nur so können immer mehr Menschen mit immer knapperen natürlichen Ressourcen auskommen.

Unser Maßstab für die Bewertung von Innovations- und Wertschöpfungsprozessen ist das Prinzip der Nachhaltigkeit: Nachhaltig Wirtschaften bedeutet, „nachfolgenden Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge zu
hinterlassen“ (Definition des Rates für Nachhaltige Entwicklung).

Bei der Pressekonferenz, auf der das Leitbild vorgestellt wurde, sagte der Ehrenaufsichtsratvorsitzende der BASF SE, Prof. Dr. Jürgen Strube: „Das Vertrauen der Menschen in Deutschland in die Soziale Marktwirtschaft und in die Wirtschaftselite hat stark gelitten – und zwar nicht erst seit Ausbruch der Finanzmarktkrise. Mit dem Leitbild wollen wir als Führungskräfte deutscher Unternehmen ein Zeichen setzen: Als Führungskräfte haben wir eine besondere Vorbildfunktion. Wenn die Menschen uns nicht als Vorbilder wahrnehmen, leidet das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem und letztlich in die Demokratie.“

Der Vorstandsvorsitzende der BASF SE, Dr. Jürgen Hambrecht, betonte „Vertrauen ist die Grundlage, ohne die unsere Wirtschaft dauerhaft nicht funktionieren kann. Regeln und Gesetze sind zwar ein äußerer Rahmen für unser Handeln, können aber das Vertrauen nicht ersetzen. Das steigende Misstrauen der Bevölkerung in die Politik und Wirtschaft zeigt, dass etwas nicht stimmt in unserem Land. Als Führungskräfte sind wir deshalb gefordert, Flagge zu zeigen und uns dieser Diskussion zu stellen.“

Und der Vorstandvorsitzende der Deutschen Bank, Dr. Josef Ackermann, sagte: „Unternehmen und Manager – gerade in der Finanzbranche – sind auf Vertrauen angewiesen. Vertrauen beruht vor allem auf Glaubwürdigkeit. Glaubwürdig sind wir aber nur, wenn gesellschaftliche Verantwortung selbstverständlicher Teil unseres gesamten Denkens und Handelns ist. Sie muss in unsere Geschäftspolitik und Geschäftsprozesse integriert und bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden. Das wollen wir mit dem Leitbild zu Ausdruck bringen.“

Moderiert wurde der Leitbildprozess vom Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik.

Download Leitbild als PDF

……………………………………………………………………………………………………………………………………..

Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2010“

Im Dezember 2010 wurde die Studie des Umweltbundesamtes „Umweltbewusstsein in Deutschland 2010“ veröffentlicht.

Bei der Präsentation der Studie sagte der Präsident des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth, Umweltschutz nehme trotz der erst überwundenen Wirtschaftskrise einen hohen Stellenwert ein. 62 % wünschen sich hier mehr Engagement der Regierung.

85 % der Bundesbürger halten einen konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien für nötig – der Anteil der Ökostrombezieher ist seit 2008 aber nur von 3 auf 8 % gestiegen.

Oft zu Bio-Lebensmitteln greifen nur noch 34 % nach 43 % im Jahr 2008. Mit 58 % ist aber eine Mehrheit für Tempo 30 innerorts, außer auf Hauptverkehrsstraßen, sowie für Tempo 130 auf Autobahnen. Der Anteil der selbst in Umweltschutzprojekten oder -gruppen Engagierten kletterte von 4 auf 9 %.

Die Studie zeigt, dass gut gebildete, junge, täglich mit dem Internet lebende, liberale Menschen ein ausgeprägteres Umweltbewusstsein haben. Ärmere und konservativere Gruppen sehen Umwelt und Wirtschaft eher als Gegensatz und nehmen Umwelt insgesamt etwas weniger wichtig.

Faktisch leben Menschen mit geringerem Einkommen trotzdem umweltverträglicher, weil sie weniger fliegen, Auto fahren und einkaufen.  „Die traditionellen Nachkriegsgenerationen haben zwar mit Umweltschutz in der Wertevorstellung nicht viel am Hut, sie haben aber einen geringeren ökologischen Fußabdruck“, so Flasbarth.

„Innerhalb des Umweltschutzes haben für die Bevölkerung Klimaschutzmaßnahmen oberste Priorität. Über die Hälfte beurteilt die Reduktion von klimaschädlichen Gasen sowie den dafür notwendigen Ausbau erneuerba­rer Energien als sehr wichtig. Mehr als drei Viertel sind der Meinung, dass sich ohne zusätzliche Maßnahmen die Umweltsituation dramatisch verschlechtern wird. Gleichzeitig steigt aber auch weiterhin die optimistische Einschätzung, dass Deutschland den Herausforderungen gewachsen ist: Von nur 39 Prozent im Jahr 2006 ist der Anteil der Optimisten inzwischen auf 56 Prozent gestiegen“, so der Bundesumweltminister Röttgen im Vorwort der Studie.

Wie die Studie zeigt, sind 62 % der Ansicht, die Regierung tue nicht genug für den Klimaschutz. 2008 waren es nur 51 %. Sogar 89 % meinen, die Industrie tue dafür nicht genug. 54 % meinen, die Bürger engagierten sich zu wenig. Zentralste Umweltaufgabe ist in den Augen der Deutschen ein geringere CO2-Ausstoss (52%).

71% sehen die Gesundheit der Kinder und Enkelkinder durch Umweltprobleme sehr stark oder stark belastet. Allerdings zeigen sich 56 % zumindest ziemlich überzeugt, dass Deutschland die Folgen der Erderwärmung bewältigen kann. Der Wunsch nach einer Vorreiterrolle Deutschland im internationalen Klimaschutz nimmt zu – von 50 auf 61 %.

Bessere Wärmedämmung von Häusern, eine umweltfreundliche Produktion insgesamt, umweltfreundlichere Autos, höhere Steuern auf klimaschädliche Produkte, strengere Gesetze oder das Streichen umweltschädlicher Subventionen – Mehrheiten zwischen 72 und 89 % sind für solche weitreichenden Schritte oder halten sie zumindest für wirkungsvoll. 68 % meinen, Konsumenten könnten größere Beiträge für den Umweltschutz leisten.

Der Bekanntheitsgrad des Begriffs „Nachhaltige Entwicklung“ hat sich in der Bevölkerung in den letzten Jahren ständig erhöht:

2000 – 13 %
2004 – 22 %
2010 – 43 %

Hintergrund für diese positive Entwicklung dürfte unter anderem sein, dass sich immer mehr Unternehmen zu diesem Leitbild bekennen und ihre Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit in regelmäßigen Berichten dokumentieren.

Auch die Einrichtung eines Nachhaltigkeitsrats und die Verabschiedung einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie dürften den Begriff für die Bevölkerung immer bekannter und zugleich fassbarer gemacht haben, so die Studie.

Die Studie als PDF zum downloaden

………………………………………………………………………………………………………………………………….

Entwurf für einen „Deutschen Nachhaltigkeitskodex“

Der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung hat am 29.11.2010, nach umfangreichen Vorarbeiten auf Expertenebene, den Entwurf für einen „Deutschen Nachhaltigkeitskodex“ vorgelegt und lädt nun die Öffentlichkeit und alle Unternehmen zu einem Dialog ein und erbittet um Einreichung der Diskussionsbeiträge bis zum 14.02.2011.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex soll nachhaltiges Wirtschaften stärken und hierfür Orientierung geben. Er soll sich an alle Teilnehmer am Finanzmarkt richten, sowie an alle Unternehmen, die ihre Tätigkeit an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausrichten wollen

Die Geltung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex soll über eine zu schaffende rechtliche Regelung in Anlehnung an Artikel 161 des Aktiengesetzes erfolgen. Nach §161 Aktiengesetz erklären Vorstand und Aufsichtsrat von börsennotierten Gesellschaften jährlich, in wie weit sie den Empfehlungen der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ entsprechen, respektive welche Empfehlungen sie nicht anwenden und warum.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex knüpft an internationale „Regelwerke“ wie den UN Global Compact und die Global Reporting Initiative (GRI G3) an.

Der Entwurf gliedert sich in folgende Bereiche:

  • Strategie
  • Prozessmanagement
  • Umwelt
  • Gesellschaft
  • Corporate Governance

Zu dem Bereich „Umwelt“ ist folgendes aufgeführt:

Verwendung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe

9. Das Unternehmen soll den Anteil der Verwendung nachhaltig erzeugter Energien und Rohstoffe erhöhen und soll sich hierfür Ziele setzen.

Verringerung der Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen

10. Die Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen für die Leistungserstellung (Input und Output von z. B. Materialien, Wasser, Boden, Abfall, Energie, Emissionen sowie Einfluss auf Biodiversität) soll durch das Unternehmen systematisch erhoben werden. Das Nachhaltigkeitsmanagement kann darüber hinaus auch den gesamten Produktlebenszyklus in die Analyse einbeziehen. Das Unternehmen soll sich Ziele zu einem effizienteren Ressourceneinsatz und zur Minimierung der Inanspruchnahme von endlichen Ressourcen setzen.

11. Das Unternehmen soll sich quantitative Ziele für die Reduzierung der CO2-Emissionen setzen. Seine CO2-Emissionen sollen gemessen und gemeinsam mit den gesetzten Zielen in einer CO2-Bilanz dargestellt werden.

12. Die gesteckten Ziele sollen anspruchsvoll sein“.

Zu dem Bereich „Gesellschaft“ findet sich folgendes:

Demographische Entwicklung

13. Das Unternehmen soll die Auswirkungen der demographischen Entwicklung in Deutschland insbesondere in Bezug auf die Qualifikation der Mitarbeiter, Facharbeiter und Integration von Migranten systematisch erfassen und in seine Strategie einbeziehen.

Menschenrechte, Zwangs – und Kinderarbeit

14. Für die Wertschöpfungskette sollen vom Unternehmen Maßnahmen ergriffen werden, um zu erreichen, dass die Menschenrechte geachtet sowie Zwangs- und Kinderarbeit verhindert werden. In weltweiten Wertschöpfungsketten soll zumindest die Einhaltung der einschlägigen Standards (ILO, UN, SA8000) sichergestellt sein.

Arbeitnehmerrechte

15. Das Unternehmen soll Prozesse (z.B. SA 8000) implementieren, die sicherstellen, dass Arbeitnehmerrechte sowohl national als auch international eingehalten werden. Die Einhaltung soll sich an international anerkannten Standards orientieren. Das Unternehmen soll Mitarbeiter systematisch an den Nachhaltigkeits- und Strategieprozess beteiligen.

16. Jegliche Form der Diskriminierung nach Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft soll unterbunden werden.

Beschäftigungsfähigkeit

17. Das Unternehmen soll Vorkehrungen treffen, um die Beschäftigungsfähigkeit sowie das Humankapital aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten und auszubauen.“

Und unter „Corporate Governance“ findet sich

Korruption

21. Das Unternehmen soll anhand eines akzeptierten Standards (z.B. Business Principles von Transparency International) sicherstellen, dass Korruption weder impliziert noch explizit toleriert wird. Hierzu sollen Prozesse implementiert werden, die Korruption aufdecken, verhindern und sanktionieren. (…)“

Im Anhang des Entwurfes für einen Nachhaltigkeitskodex findet sich eine Übersicht über die Leistungsindikatoren zu den einzelnen Bereichen u.a. mit den Global Compact Prinzipien und den Global Reporting Initiative (GRI) -Indikatoren.

Der Kodex >  nach obenzu qfc.de

2 Kommentare
  1. Reiner Eckel
    Reiner Eckel says:

    Hallo QFC,
    schön, dass ihr euch um soziale Verantwortung richtig Gedanken macht.
    Ich finde den Text ja interessant, aber doch etwas lang für News.
    Trotzdem, ich werde den Newsletter auf meinen Seiten posten.

    Viele Grüße
    Reiner Eckel

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.