QFC CSR-Info 43-2015. Globale Risiken 2015

Globale Risiken 2015 und ein aktuelles Best-Practise-CSR-Beispiel von IndustriAll und Total

von Helmut Krodel und Peter Schmitt

Zwischenstaatliche Konflikte und Extreme Wetterereignisse als Hauptrisiken

Zum 45. Weltwirtschaftsforum in Davos-Klosters, Schweiz, waren vom 21. – 24. Januar 2015  40 Staats- und Regierungschefs, 1500 führende Unternehmensvertreter und 1000 weitere Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vertreten.

In 280 Konferenzen und Workshops wurden folgende drei Themenbereiche diskutiert:

  • Krise und Kooperation
  • Wachstum und Stabilität
  • Gesellschaft und Sicherheit

Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem newsletter des Weltwirtschaftsforums zur Vorstellung des Global Risks Reports 2015: (Bericht als PDF)

Internationaler Konflikt dominiert Rangliste globaler Risiken 2015

Zu dem Weltwirtschaftsforum wurde der Global Risks 2015 Bericht mit Unterstützung der strategischen Partner Marsh & McLennan Companies und Zürich Insurance erstellt.
Die wesentlichen Elemente des Berichtes lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Geopolitische und soziale Risiken stehen beim World Economic Forum Global Risks 2015 report im Vordergrund
  • Zwischenstaatlicher Konflikt mit regionalen Konsequenzen wird als Nummer eins der globalen Risiken hinsichtlich Wahrscheinlichkeit eingestuft, Krisen der Wasserversorgung als Spitzenreiter hinsichtlich der Auswirkungen
  • Experten räumen Umweltrisiken eine größere Dringlichkeit als ökonomischen Risiken ein

fünf globale risikenFür die 10. Ausgabe des Global Risk Berichts stellen in den nächsten 10 Jahren internationale Konflikte die größte Bedrohung für die Stabilität der Welt dar.

Der Bericht, in dem Experten jährlich die wichtigsten globalen Risiken im Hinblick auf Wahrscheinlichkeit und mögliche Auswirkungen innerhalb der nächsten zehn Jahre bewerten, stuft zwischenstaatliche Konflikte mit regionalen Konsequenzen als globales Risiko Nummer eins hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit und als viertes in Bezug auf seinen Auswirkungsgrad ein. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit rangiert es vor extremen Wetterereignissen (2), Regierungskrisen (3), Staatszerfall oder -krisen (4) und Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung (5).

Bei der Betrachtung globaler Risiken im Hinblick auf ihre potenzielle Auswirkung stuften die fast 900 an der Global Risk Perception Survey teilnehmenden Experten Wasserkrisen als das größte Risiko ein. Neben diesem und zwischenstaatlichen Konflikten dominieren folgende weitere Risiken hinsichtlich ihrer Auswirkung: schnelle und massive Ausbreitung von Infektionskrankheiten (2), Massenvernichtungswaffen (3) und ein Versagen bei der Anpassung an Klimaveränderungen (5).

Mit den 28 im Jahr 2015 analysierten globalen Risiken, die in fünf Kategorien (Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Soziales und Technologie) gegliedert sind, zeichnet sich 2015 als ein Jahr der geopolitischen Risiken ab, die gleich dreimal unter den fünf wahrscheinlichsten und zweimal unter jenen mit potenziell größter Auswirkung zu finden sind. In den vergangenen fünf Jahren waren diese von der Landkarte der größten globalen Risiken verschwunden. Innerhalb dieser Kategorie, treten drei Risiken in diesem Jahr besonders hervor, die seit 2014 an Wahrscheinlichkeit und potenzieller Auswirkung zugenommen haben. Diese sind zwischenstaatlicher Konflikt mit regionalen Konsequenzen, Massenvernichtungswaffen, und terroristische Anschläge.

Weiterhin dringender Lösungsbedarf für soziale Probleme.

Die Risikolandschaft 2015 zeigt auch, dass weiterhin dringender Lösungsbedarf für soziale Probleme besteht, da Wirtschafts-, Umwelt- und geopolitischen Risiken den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Zerreiβprobe stellen. Soziale Risiken belegen in der Tat die zwei Spitzenränge der Risiken mit potenziell stärkster Auswirkung.

Ebenso bemerkenswert ist die Präsenz von mehr umweltbezogenen als wirtschaftlichen Risiken auf den Spitzenrängen. Zwar räumen Experten wirtschaftlichen Risiken wie etwa Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung oder Staatshaushaltskrisen eine nahezu gleiche Dringlichkeit wie in 2014 ein, beurteilen jedoch die mit extremen Wetterereignissen und Klimawandel verbundenen Herausforderungen als wesentlicher dringlicher als noch im vergangenen Jahr.

global risks report

„25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer steht die Welt wieder im Angesicht eines zwischenstaatlichen Konflikts, den es abzuwenden gilt“, so Margareta Drzeniek-Hanouz, leitende Ökonomin, Weltwirtschaftsforum. „ Der Unterschied ist, dass die heutigen Mittel, mit denen sich ein solcher Konflikt austragen lässt, vielfältiger denn je sind:

Man denke an Cyberangriffe, Wettlauf um Ressourcen oder Sanktionen und andere wirtschaftliche Instrumente, die in einer globalen Wirtschaft schnell ausufernden Schaden anrichten können. Es gilt Lösungen Vorrang einzuräumen, die mögliche Auslöser dieser globalen Risiken verhindern können. Entscheidungsträger müssen verstärkt miteinander und nicht neben- oder gegeneinander handeln.“

Zusätzlich zur Messung der Wahrscheinlichkeit und der potenziellen Auswirkung dieser 28 globalen Risiken erörtert Global Risks 2015 sowohl die Verknüpfungen zwischen Risiken als auch wie Trends diese Risiken beeinflussen und somit die kurz- oder mittelfristige Risikolandschaft prägen. Der Bericht beleuchtet darüber hinaus drei Risikokonstellationen näher: das Zusammenspiel von Geopolitik und Wirtschaft, die Risiken im Zusammenhang mit der raschen und ungeplanten Verstädterung in Entwicklungsländern sowie neue Technologien.

Bei der Verstädterung prüft der Bericht, wie man am besten ausreichende Stabilität schafft, um die Herausforderungen abzufedern, die sich im Zuge der Gestaltung des raschen und historischen Übergangs von einer vorwiegend ländlichen zu einer städtischen Lebensweise stellen.

„Zweifelsohne hat die Verstädterung das soziale Wohlbefinden erhöht. Wenn Städte jedoch zu schnell wachsen, steigt ihre Verwundbarkeit: Pandemien, Ausfälle von oder Angriffe auf Strom-, Wasser- oder Transportnetze sowie die Folgen des Klimawandels sind alles bedeutende Bedrohungen,“ so Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer der Zürich Versicherung.

Die rasche Geschwindigkeit mit der sich neue Technologien entwickeln, von synthetischer Biologie bis hin zu künstlicher Intelligenz, ist mit weitreichenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ethischen Folgen verbunden. Die Entwicklung ausreichend flexibler Regelungsrahmen, um einerseits ihre schnelle Entwicklung zu gewährleisten und die Nutzung ihrer Vorteile zu ermöglichen, gleichzeitig aber ihren Missbrauch und alle unvorhergesehenen negativen Folgen zu verhindern, ist eine der Hauptherausforderungen für die Politik.

John Drzik, President of Global Risk and Specialities bei Marsh & McLennan Companies, dazu: „Fortschritt ist wesentlich für weltweiten Wohlstand, schafft aber auch neue Risiken. Wir müssen vorausschauend planen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen und Vorkehrungen treffen, um möglichen Problemen, die mit neuen Technologien verbunden sind, zuvorkommen.“

Der Bericht liefert auch Analysen sowohl in Bezug auf die globalen Risiken, auf die ihre eigene Region aus Sicht der Befragten am wenigsten vorbereitet ist , als auch auf die globalen Risiken, bei denen ihrem Eindruck nach in den letzten zehn Jahren die größten Fortschritte erzielt worden sind. Er präsentiert zum ersten Mal nach Ländern aufgeschlüsselte Daten darüber, wie Unternehmen die globalen Risiken in ihren Ländern wahrnehmen. Außerdem greift der Bericht drei Beispiele für Risikomanagement und bewährte Praktiken im Zusammenhang mit extremen Wetterereignissen auf.“

Nachfolgend die Entwicklung der Risikolandschaften von 2007 – 2015:

Global Risks 2015, S.14

Global Risks 2015, S.14

 

Oxfam-Studie: Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

1 Prozent der Weltbevölkerung wird 2016 mehr Reichtum besitzen als die restlichen 99 Prozent

figure 1

Oxfam Issue Briefing, January 2015, Wealth: Having it all and wanting more, S.2

Oxfam, der internationale Verband von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, hatte 2 Tage vor Beginn des Weltwirtschaftsforums eine Studie unter dem Titel „Reichtum: Alles haben und noch mehr wollen“ (Download Oxfam-Studie) veröffentlicht.

Nach der Studie besaßen 2014 das reichste Prozent der Weltbevölkerung 48% des weltweiten Vermögens, 2016 soll dieses eine Prozent der reichsten Menschen mehr als 50 Prozent des weltweiten Vermögens besitzen, d.h. mehr als die restlichen 99 % der Weltbevölkerung.

85 Menschen besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung

figure 3Betrachtet man die Spitze der Reichtumspyramide, so besitzen die 85 reichsten Milliardäre der Erde genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, dies sind über 3.5 Milliarden Menschen.

Die Oxfam-Direktorin Winnie Bynayima sagte bei der Vorstellung der Studie: „Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd“.
Oxfam fordert von den Staaten verschiedene Maßnahmen, um die zunehmende Ungleichheit zu stoppen, u. a.

  • Einführung von Existenzlöhnen
  • Verbesserung der ökonomischen Situation von Frauen
  • Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen
  • Besteuerung von Kapital statt der Besteuerung von Arbeit
  • Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht
  • Veränderung von Forschung- und Entwicklungssystemen und den Preissystemen für Medikamente (vgl. S.9f.)

Beispiel Guter Praxis auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos:

Globale Corporate Social Responsibility Vereinbarung zwischen IndustriAll und Total

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben am 20.01.2015 die internationale Gewerkschaftsföderation IndustriAll und Total eine Globale Corporate Social Responsibility Vereinbarung (link zur Vereinbarung) unterzeichnet.

Die Vereinbarung , die für 100 000 Beschäftigte in 130 Ländern des Energie-Multis Total gilt, wurde von dem Generalsekretär von IndustriAll, Jyrki Raina, und dem Vorstandsvorsitzenden von Total, Patrick Pouyanné, unter Anwesenheit des Generalsekretärs der Internationalen Arbeitsorganisation, Guy Ryder, unterzeichnet.

IndustriAll und Total unterstützen die Prinzipien, die in folgenden Internationalen Standards und Initiativen festgeschrieben sind:

  • Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
  • Die UN Konvention für die Rechte der Kinder
  • Die ILO-Kernkonventionen
  • Die OECD Leitlinien für Multinationale Unternehmen
  • Die Prinzipien des UN Global Compact
  • Die Leitprinzipien für Wirtschaft  und Menschenrechte des UN Menschenrechtsrates

Die Globale Vereinbarung umfasst im Einzelnen u. a. folgende Elemente:

  • Anerkennung internationaler Menschenrechte
  • Anerkennung des Rechtes der Beschäftigten sich in Gewerkschaften zu organisieren,
  • Vollständige Neutralität von Seiten des Unternehmens in Bezug auf Gewerkschaftliche Organisierung und Ausschluss jeglicher Diskriminierung gegen Beschäftigte wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten
  • Keine Zwangs- und Sklavenarbeit
  • Keine Kinderarbeit
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Keine Diskriminierung bei Anstellung und Beschäftigung
  • Umsetzung eines sozialen Dialogs mit den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften
  • Anerkennung, dass Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheit für Kontrakt- Arbeitnehmer und Zulieferbeschäftigte genauso wichtig ist, wie für die eigenen Beschäftigten
  • Verteidigung der Meinungsfreiheit
  • Sicherstellen, dass die Abwesenheit wegen Schwangerschaft keine negativen Auswirkungen auf Gehalt und Karriereentwicklung der Beschäftigten hat
  • Abschluss einer Lebensversicherung für alle Total-Beschäftigten

Diese globale Vereinbarung wird auch allen Total-Zulieferunternehmen und Kontraktoren zur Verfügung gestellt. Total beabsichtigt Verträge mit seinen Zulieferunternehmen und Kontraktoren zu beenden, wenn diese die Elemente der Vereinbarung nicht einhalten.

 

Redaktion
verantwortl.: Helmut Krodel, Peter Schmitt
Onlineredaktion: Reiner Eckel

Herausgeber
Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH
Stiftung Arbeit und Umwelt

Print Friendly, PDF & Email
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.