Debatte ohne „Log Out“ in den Köpfen.

Gemeinsame Tagung von FKI und SCHICHT: IG BCE und QFC debattieren mit Politik, Wissenschaft und Sozialpartnern in Halle. Probleme und Lösungen in der Arbeitszeitgestaltung im Vordergrund.

Ganz im Zeichen der aktuellen Debatte um den demografischen Wandel fand am 10. und 11. Mai in Halle (Saale) die gemeinsame Tagung  „Gute Arbeit – Gestaltung der Arbeitswelt in Zeiten des demografischen Wandels“ der IG BCE und der QFC GmbH statt.

Den Auftakt bildete ein politisches Forum bei dem Jens Bullerjahn (SPD), stellv. Ministerpräsident und Finanzminister Sachsen-Anhalt und Francesco Grioli, Vorstandssekretär der IG BCE in ihren Grußworten die Notwendigkeit jetzt zu handeln skizzierten.

Anschließend diskutierten im Podium Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien, sowie Udo Gebhardt (DGB) und Gastgeber Erhard Koppitz (IG BCE Halle-Magdeburg) Fragen aus dem Publikum. Die Diskussion zeigte die Bandbreite der Themenvielfalt, die sich hinter dem Hauptthema  „Gute Arbeit“ verbirgt. Zur Sprache kamen konkrete Auswirkungen des demografischen Wandels, die sich bereits spürbar offenbaren. Besonders kontrovers wurden mögliche Lösungsansätze für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedíngungen im Land diskutiert. Konsens bestand in der Zielsetzung –  die Attraktivität der Region zu steigern und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, um Fachkräfte zu halten und zu gewinnen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Herausforderung die Auswirkungen des demografischen Wandels zu bewältigen, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Sowohl die Politik, die Betriebsparteien  als auch jeder Einzelne selbst trägt Verantwortung.

Damit war der Grundstein für das Thema der tags darauf folgenden Fachkonferenz „Arbeitszeitgestaltung – flexibel, alternssensibel, zukunftsorientiert“ gelegt. In kurzen Impulsreferaten legten u.a. Dr. Christine Watrinet (ars serendi) und Martin Weiss (IG BCE) die negativen Auswirkungen kurzfristiger Sichtweisen in der Arbeitszeitgestaltung  dar.

„Es geht nicht um Privilegien etwa für ältere Beschäftigte“, so Watrinet, „es geht um flexible und um alternsgerechte Lösungsansätze vor allem in der Arbeitszeitgestaltung.“ Gewerkschafter Weiss wies nach, gerade in der Arbeitszeitgestaltung würde Potenzial liegen, mit klugem Personalmanagement auf demografische Entwicklungen zu reagieren. „Kurzfristige Sichtweisen und kurzsichtige Experimente haben beträchtliche negative Auswirkungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aber auch auf die Situation der Unternehmen,“ so Weiss in seinem Vortrag. Das müsse man diesem jenen offensichtlich erst erklären.

„Diese Region hier hat riesiges Potenzial. Es kommt vor dem Hintergrund des bereits spürbaren Fachkräftemangels darauf an gemeinsam den demografischen Wandel zu gestalten. <….> wir stehen im demografischen Wandel vor einer gesellschaftlichen Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern werden.“ Egbert Biermann.

Zuvor hatte Egbert Biermann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, die Rolle der Sozialpartner betont. „Diese Region hier hat riesiges Potenzial. Es kommt vor dem Hintergrund des bereits spürbaren Fachkräftemangels darauf an gemeinsam den demografischen Wandel zu gestalten.“ In vielen Unternehmen gerade in der chemischen Industrie gäbe es bereits gute Beispiele erfolgreichen Personalmanagements. Dabei hätten die Sozialpartner eine wesentliche Funktion, denn so Biermann: „wir stehen im demografischen Wandel vor einer gesellschaftlichen Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern werden.“

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In Themenkreisen konnten die TeilnehmerInnen sich austauschen. Grundtenor: Arbeit wird sich ändern, die Unternehmen werden zunehmend um Fachkräfte konkurrieren. Erfolgreich und wettbewerbsfähig werden nur die Betriebe sein, die ein kreatives Personalmanagement fördern. „Work-Life-Balance“ – ausgeglichene und zufriedene Belegschaften werden nur über Anerkennung und Teilhabe der MitarbeiterInnen bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen entstehen können. „ Ein „Log Out“ in den Köpfen der ArbeitnehmerInnen“ kann nur durch Wertschätzung und Respekt vermieden werden. So war in einem Themenkreis zu hören.

Die Diskussionen in den Themenkreisen zeigten ein gemeinsames Ergebnis: Es gibt keinen Königsweg. Die Bedingungen in den Betrieben sind so unterschiedlich, dass individuelle Lösungen zwischen den Betriebsparteien vereinbart werden müssen. So bestehen z.B. in Betrieben mit einem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter ganz andere Anforderungen als bei Unternehmen mit einem hohen Männeranteil. Gerade für die Erkenntnis, dass es individuelle Ansätze geben muss, wurde der Erfahrungsaustausch in den Themenkreisen von den Teilnehmern als ausgesprochen wertvoll eingeschätzt. Wie machen das Andere? Anregungen für das eigene Tun mitzunehmen – dies war Ziel der Fachkonferenz.

Auch wenn es keine einheitliche Kur gibt, gilt es für die Unternehmen ihr Personalmanagement auf „Herz und Nieren“ zu prüfen und – zu fördern.

Information: Gegenwärtig wird die Tagungsdokumentation vorbereitet. Teilnehmer-/innen erhalten diese nach Fertigstellung ohn Anfrage. Die Dokumentation wird als Download auf qfc.de und hier am Blog bereit gestellt.
Also, schauen Sie doch in der 22. Kalenderwoche hier vorbei.

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2 Kommentare
  1. Reiner Eckel
    Reiner Eckel says:

    Die Fachtagung war eine gelungene Veranstaltung mit wichtigen Informationen zum Thema Arbeitszeitgestaltung. Die Impulsvorträge hatten Hand und Fuß.
    Insbesondere die in den Themenkreisen vorgestellten und diskutierten Lösungen aus der Praxis gaben wertvolle Anregungen.
    Selbst die mit kleinem Augenzwinkern vorgetragenen Tipps der halleschen Salzwirker aus dem Mittelalter waren spannend.
    Danke für Anregungen.

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