„Die Zukunft die wir wollen“. Zum Rio-Abschlussdokument.

Unsere neueste CSR-Info befasst sich mit dem Abschlussdokument aus „Rio+20“.

„Rio+20“-Konferenz beschließt Abschlussdokument.

„Die Zukunft die wir wollen“

Von Helmut Krodel und Peter Schmitt

Vom 13. – 22. Juni fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung „Rio+20“ statt. An der Konferenz nahmen ca. 45000 Teilnehmer (darunter 12000 Delegierte) aus 188 Ländern teil. An den Hauptveranstaltungen von Rio+20 die vom 20. – 22. Juni stattfand, nahmen über 100 Staats- und Regierungschefs teil.

Die Rio+20-Konferenz fand 20 Jahre nach dem ersten „Erdegipfel“ der Vereinten Nationen statt. Vor 20 Jahren vereinbarte die Weltgemeinschaft in Rio de Janeiro unter anderem das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsprogramm Agenda 21, das als Meilenstein auf dem Weg zur Nachhaltigkeit gilt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon sagte in der Eröffnungsrede „Rio+20 ist kein Ende, es ist der Anfang“. Gleichzeitig ermahnte er die Teilnehmer: „Die Zeit ist nicht auf unserer Seite“.

Auf der abschließenden Plenumssitzung wurde am 22. Juni das Abschlussdokument „Die Zukunft die wir wollen“ (im Originaltext „The future we want“) einstimmig verabschiedet.

Dieses Dokument wurde bereits am 19.Juni von der Brasilianischen Regierung vorgelegt und ohne Änderungen angenommen.

Die Abschlusserklärung umfasst 53 Seiten mit 283 Absätzen und gliedert sich in folgende Kapitel – die Anzahl der Absätze sind in ( ) aufgeführt:

I. Unsere gemeinsame Vision(1-13)

II. Erneuerung der politischen Verpflichtung(14-55)

III. Green Economy„Grüne Wirtschaft“ im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung(56-74)

IV. Institutionelle Rahmenbedingungen für nachhaltige Entwicklung(75-103)

V. Handlungsrahmen für Folgemaßnahmen (104-251)

VI. Mittel zur Implikation (252-283)

Das Abschlussdokument bezieht sich an mehreren Stellen auf den Erde-Gipfel in Rio 1992 und auf die dort verabschiedete Agenda 21, die nach wie vor als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung angesehen wird.

Das Abschlussdokument listet den Zustand unseres Planeten auf und stellt fest, in welchen Handlungsfeldern Maßnahmen am dringendsten von Nöten sind.

„Die Beseitigung der Armut ist die größte Herausforderung, vor der die Welt steht, und unverzichtbare Bedingung für eine nachhaltige Entwicklung“.

Die Bandbreite der Maßnahmen reicht dabei von der Armutsbekämpfung über die Versorgung aller Menschen mit Nahrungsmittel, Trinkwasser und sauberer Energie, über Seuchenbekämpfung, Waldschutz, Wüsteneindämmung, über Meeres- und Artenschutz, bis hin zum Klimaschutz, der wegen des Klimawandels als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit bezeichnet wird, und zur Erkenntnis, dass nur der Umstieg in eine „grüne“ Wirtschaft den Planeten Erde auf Dauer stabilisieren kann.

Nach dem Abschlussdokument  ist die „Green Economy, eine Grüne Wirtschaft, im Kontext der Armutsbekämpfung und der Nachhaltigen Entwicklung eines der wichtigsten Werkzeuge, damit die Menschen nachhaltig und ohne die Ressourcen zu übernutzen, leben können.

Eine Grüne Wirtschaft  zeichnet sich gemäß dem Ergebnis von Rio u.a. aus durch die Schaffung von Wohlergehen und menschenwürdigen Arbeitsplätzen, ohne dass damit die Ökosysteme beeinträchtigt werden.

Absatz 46 des Abschlussdokumentes beschäftigt sich mit der Bedeutung von Corporate Social Responsibility. Darin werden nationale regulierende Rahmenpläne und -initiativen zur Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung unterstützt. Der Privatsektor wird aufgerufen sich in CSR-Initiativen wie z.B. dem Global Compact (dem das QFC bereits im Jahr 2008 beigetreten ist) zu engagieren.

Absatz 51 weist auf

„die Wichtigkeit der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung hin. Als Vertreter der arbeitenden Menschen sind Gewerkschaften wichtige Partner um, eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen, besonders in der sozialen Dimension. Information, Bildung und Ausbildung zu Nachhaltigkeit auf allen Ebenen, einschließlich am Arbeitsplatz, sind entscheidend um die Kapazität der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften bei der Unterstützung nachhaltiger Entwicklung zu stärken.“

Zu dem Bereich Bildung (229-235) werden in Absatz 234 Bildungseinrichtungen besonders aufgefordert gute Praxis von nachhaltigem Management in ihren Einrichtungen mit der aktiven Beteiligung ihrer Teilnehmer, Lehrer und lokalen Partner umzusetzen und nachhaltige Entwicklung als eine integrierte fachübergreifende Maßnahme umzusetzen.

Dazu hat das QFC mit seinem Qualitätssiegel Q3SQ für Bildungsträger in der Aus- und Weiterbildung bereits konkrete Anwendungs- und Umsetzungsbeispiele initiiert.

In dem Abschlussdokument finden sich zahlreiche Bezüge zu den „Milleniumszielen“ der Vereinten Nationen, die bis 2015 u.a. grundlegende Verbesserungen im Bereich Armut, Gesundheit und Bildung  erreichen wollen. Derzeit wird auf internationaler Ebene bereits darüber diskutiert, ob nach 2015 die Milleniumsziele durch konkrete Nachhaltigkeitsziele weiterentwickelt werden können.

Das Abschlussdokument wurde vor allem von Vertretern von Umweltverbänden, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, aber auch von einigen europäischen Staaten, als zu allgemein gehalten und ohne die Formulierung konkreter Nachhaltigkeitsziele kritisiert.

So bewertet z.B. die Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ergebnisse von Rio+20  auf der 12. Jahreskonferenz des deutschen Nachhaltigkeitsrates durchaus kritisch: „Die Rio-Ergebnisse sind hinter dem zurückgeblieben, was angesichts der Ausgangslage notwendig gewesen wäre.“ Sie mahnte in einer Rede: „ Unsere Art zu leben und zu wirtschaften zeigt sich als nicht mehr zukunftsfähig. Wenn wir unsere Wirtschaftsweise nicht ändern, dann berauben wir uns unserer Lebensgrundlagen.“ Sie plädierte für ein qualitatives Verständnis von Wachstum, welches die Bedürfnisse zukünftiger Generationen berücksichtigt.

Gleichzeitig muss man feststellen, dass sich die UN Konferenz Rio+20 immerhin auf ein gemeinsames Abschlussdokument geeinigt hat, was auch nicht bei jeder UN Konferenz der Fall ist, zumal bei der Annahme von Abschlussdokumenten dieser UN-Konferenzen das Einstimmigkeitsgebot gilt.

Trotz des Mangels an der Ausformulierung konkreter Vorgaben für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele bietet das Abschlussdokument von Rio+20 eine Reihe von Anregungen und Ideen (besonders im Bereich Green Economy und im Aktionsplan) die das QFC auch im Rahmen der Aktivitäten des CaeSaR-Projektes aufgreifen und verbreiten, sowie durch die Realisierung konkreter betrieblicher Nachhaltigkeitsprojekte, unterstützen wird.

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