CSRinfo64-2017

CSR Info 64-2017

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Von Helmut Krodel und Peter Schmitt


Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele in und durch Deutschland

Der Weg in eine enkelgerechte Zukunft

Dieses CSR-Info beschäftigt sich mit der im Januar 2017 beschlossenen Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und dokumentiert Auszüge aus dem aktuellen Bericht.

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2016 beschlossen

Ein Beitrag zur sozialen Dimension der Globalisierung und Nachhaltigkeit

Die Bundesregierung hat am 11. Januar 2017 die ressortübergreifende „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie Neuauflage 2016“ beschlossen. Sie stellt die umfassendste Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie seit ihrem erstmaligen Beschluss im Jahr 2002 dar.

Die Nachhaltigkeitsstrategie steht im Zeichen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 globalen Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals –  SDG`s). Siehe hierzu auch CSR-Info 51-2015

Das 258-Seiten umfassende Dokument der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie findet sich hier. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird in diesem CSR-Info zitiert als: DNS 2016.

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2016 legt deutsche Ziele zu allen 17 SDG`s fest und beschreibt mit welchen Maßnahmen die Bundesregierung bis zum Jahr 2030 diese Ziele in allen Bereichen nachhaltiger Entwicklung erreichen will: „Von Armutsbekämpfung, Ernährungssicherung und Gesundheitsfürsorge über Bildung, Geschlechtergleichheit, Rechtsstaatlichkeit hin zu Klima- und Artenschutz, nachhaltigem Konsum und wirtschaftlicher Entwicklung. Zudem stärkt die Strategie sowohl die Zusammenarbeit innerhalb der Bundesregierung für eine nachhaltige Politik als auch die Kooperation mit den wichtigen Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft“,  so die Bundesregierung in ihrer Pressemitteilung vom 11.01.2017.

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – der Weg in eine enkelgerechte Zukunft

Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2016  trägt den Untertitel „der Weg in eine enkelgerechte  Zukunft“.

Dabei setzte sie sich mit folgenden Fragen auseinander:

„Was ist zu tun, um die Chancen der Menschen heute und die Chancen unserer Kinder und Enkel auf ein Leben in Wohlstand nicht zu schmälern?

Wie bewahren wir die natürlichen Lebensgrundlagen für uns und für zukünftige Generationen?

Wie ist ein Leben in Würde für alle Menschen möglich?“

(DNS 2016, S.11)

„Es geht um nicht weniger als um ein Leben in Würde, Gerechtigkeit und Frieden, um soziale Sicherheit ebenso wie um wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitigem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen“, so die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorwort des Berichts. (DNS 2016, S. 3)

Umsetzung der SDG`s und der Klimaziele

Mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 verpflichtet sich die Bundesregierung, die im September 2015 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossenen Nachhaltigen Entwicklungsziele, wie auch die im Dezember 2015 in Paris beschlossenen Klimaziele, die Erderwärmung auf max. 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, mit dem Ziel 1.5 Grad zu erreichen, umzusetzen.

Die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG`s)

DNS

„2015 lebten bereits rund 7,35 Milliarden Menschen auf der Welt, 2050 werden es voraussichtlich mehr als 9 Milliarden Menschen sein. Alle Menschen sollen jetzt und in Zukunft ein Leben in Würde führen können, alle haben ein Recht auf Nahrung und Wasser, Bildung, Gesundheitsvorsorge und ein Leben in Sicherheit. Hierfür gilt es die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, die planetaren Grenzen zu wahren und die Politik an der Regenerationsfähigkeit der Erde auszurichten.“ (DNS 2016, S.11).

Der Begriff der Nachhaltigkeit – von Carlowitz zu Brundtland

Wenn es um den Begriff der Nachhaltigkeit geht, so findet sich erstmals seine Erwähnung in einem forstwirtschaftlichen Buch, das vor über 300 Jahren, angesichts einer Ressourcenkrise im Erzbergbau, von Hans Carl von Carlowitz verfasst wurde:

Mehr als 300 Jahre Nachhaltigkeit in Deutschland
Die erstmalige Nennung des Begriffs erfolgte 1713 durch den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem forstwirtschaftlichen Buch „Sylvicultura oeconomica“. Steigende Bevölkerungszahlen, wachsende Städte, vor allem großer Bedarf für den Erzabbau, das Schmelzen der Erze, führten damals zu Holzmangel. Carl von Carlowitz kritisierte in seinem Buch den kurzfristig orientierten Raubbau an den Wäldern, er forderte einen „nachhaltenden“ Umgang mit ihnen. (DNS 2016, S.19)

Die Grundlage für die Begriffe der nachhaltigen Entwicklung bzw. Nachhaltigkeit als politische Leitprinzipien, gehen auf den Bericht der Brundtland-Kommission von 1987 zurück: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung „Brundtland-Kommission“, 1987) (DNS 2016, S.24)

Sustainability made in Germany – erfordert in vielen Bereichen neu denken

„Die Orientierung an Nachhaltigkeit bietet die Chance für technologische Innovation und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. `Made in Germany´ steht seit Jahrzehnten für Qualitätsprodukte aus Deutschland: „Sustainability made in Germany“ – so drückte es ein Bericht internationaler Experten (Peer-Review) zu Nachhaltigkeit schon 2009 aus. Gleichwohl sind wir auch in Deutschland an einigen Stellen noch weit von einem nachhaltigen Leben, nachhaltigem Wirtschaften und einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen entfernt. Auch in Deutschland müssen wir daher in vielen Bereichen neu denken.“ (DNS 2016, S.11)

Zieldreieck der Nachhaltigkeit

Die Grundlage der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016, ein ganzheitlicher, integrativer Ansatz, wird wie folgt beschrieben:

„Nur wenn Wechselwirkungen zwischen den drei Nachhaltigkeitsdimensionen beachtet werden, lassen sich langfristig tragfähige Lösungen erreichen. Die Strategie zielt auf eine wirtschaftlich leistungsfähige, sozial ausgewogene und ökologisch verträgliche Entwicklung, wobei die planetaren Grenzen unserer Erde zusammen mit der Orientierung an einem Leben in Würde für alle die absoluten Leitplanken … bilden.“ (DNS 2016, S.12)

DNS 2017 Abb2

„Die Mär von der Wahl zwischen Wohlstand und Nachhaltigkeit entlarven“
(Kofi Annan, ehemaliger UN-Generalsekretär)

Wir „müssen … die Mär von der Wahl zwischen Wohl-stand und Nachhaltigkeit entlarven. Deutschland hat den Weg einer grünen Wirtschaft, die auf sauberen, erneuerbaren Energien gründet, eingeschlagen und beweist damit, dass Wohlstand und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.“ Kofi Annan, 7. November 2013 (DNS 2016, S. 17)

Indikatoren zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

Die Indikatoren mit denen der jeweilige Stand der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beschrieben wird, verstehen sich als Schlüsselindikatoren. Zu jedem SDG wurde ein indikatorgestütztes Ziel ausgewiesen, das einen relevanten Handlungsbedarf in einem Themenfeld identifiziert, ohne es umfassend abzubilden. (vgl. DNS 2016, S.35)

Die durch die Indikatoren abgebildeten Ziele, beschränken sich nicht nur auf solche, die nur von Maßnahmen der Bundesregierung oder der Politik erreichbar wären. Nachhaltige Entwicklung, so der Bericht, „ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die in vielen Punkten das langfristig gemeinsame Engagement aller Akteure erfordert – neben der Bundesregierung auch die Länder, die Kommunen, der Wirtschaft, der Wissenschaft, sowie der Zivilgesellschaft. Nachhaltige Entwicklung hört auch nicht an Staatsgrenzen auf. Das Indikatorenset bildet in Teilen auch unsere internationale Verantwortung ab.“ (DNS 2016, S.35)

DNS Status der Indikatoren

Entwicklungsziele

Die Übersicht über die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele, den Indikatorbereich (mit dem Nachhaltigkeitspostulat), die Indikatoren, die Ziele und der jeweilige Status finden sich in dem Bericht auf den Seiten 35 – 40.

Nachfolgend einige Auszüge aus der Übersicht zu der Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele:

(DNS 2016, S.35 ff.)

Maßnahmen zur Umsetzung der einzelnen Entwicklungsziele in Deutschland

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschreibt in dem Bericht auf den Seiten  55 – 250 zu den einzelnen SDG’s ausführlich Schwerpunkte, nationale Indikatoren und Ziele. Zu jedem nachhaltigen Entwicklungsziel werden zunächst ausgewählte wesentliche Inhalte, politische Prioritäten sowie ausgewählte bestehende und geplante Maßnahmen zur Umsetzung erläutert.

Weiterhin wird das Engagement der Bundesregierung in Anlehnung u. a. an Vorschläge des Rates für nachhaltige Entwicklung zu jedem SDG auf drei Ebenen dargestellt, die eng miteinander verbunden sind und sich teilweise überschneiden:

Struktur dargestellter deutscher Maßnahmen

  1. Ebene: Maßnahmen mit Wirkungen in Deutschland,
  2. Ebene: Maßnahmen durch Deutschland mit welt-weiten Wirkungen, insbesondere Aktivitäten zugunsten globaler öffentlicher Güter, also dem globalen Gemeinwohl insgesamt,
  3. Ebene: Konkrete Unterstützung anderer Länder, gemeinsame Durchführung von Maßnahmen mit Deutschland, insbesondere im Rahmen der internationalen bilateralen Zusammenarbeit.

(DNS 2016, S.53)

Nachfolgend dazu zwei Beispiele aus dem Bericht:

Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Zu diesem Nachhaltigen Entwicklungsziel 4 der „Hochwertigen Bildung“ ist z.B. in dem Bericht unter Aktivitäten der Bundesregierung: Maßnahmen in Deutschland – Bildung für nachhaltige Entwicklung das Programm „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern“ aufgeführt:

Das Programm „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf (BBNE)“ fördert im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF) praxisorientierte Projekte. Diese sensibilisieren in Workcamps, mit Ausstellungen und auf Modellbaustellen für neue Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Kompetenzen, die auf dem Weg zu einer klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise benötigt werden. (DNS 2016, S.86)

QFC mit dem Projekt ANLIN am Programm „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ beteiligt

Das QFC entwickelt beispielsweise, gemeinsam mit der Provadis – Partner für Bildung und Beratung GmbH in Frankfurt/Main, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft in der Lutherstadt Wittenberg (BBW) und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services in Hannover, in dem Projekt ANLIN ein innovatives Konzept zur nachhaltigen Gestaltung von betrieblichen Lernorten im dualen System der Berufsbildung. Im Modellprojekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“, kurz ANLIN, sollen sich die Verbundausbildungsträger und die beteiligten Partnerbetriebe durch eine enge Verschränkung von Organisations- und Personalentwicklungsmaßnahmen zu nachhaltigen betrieblichen Lernorten weiterentwickeln und verstetigen.

Das Projekt wird im Rahmen des Modellversuchsförderschwerpunkts Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über eine Laufzeit von 34 Monaten mit vier Projektpartnern umgesetzt. Mehr dazu: www.qfc.de/anlin/

Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

Dieses Ziel umfasst u. a. folgenden Indikator:

Die globale Durchschnittstemperatur auf der Erdoberfläche steigt aufgrund der zunehmenden Konzentration von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre kontinuierlich an, mit bereits heute nachweisbaren Folgen für das Klimasystem. Ziel der Bundesregierung ist es daher, bis zum Jahr 2020 die Treibhausgasemissionen in Deutschland um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Weitere Ziele sind die Reduktion um mindestens 55 Prozent bis 2030, um mindestens 70 Prozent bis 2040 sowie um 80 bis 95 Prozent bis 2050 – jeweils gegenüber 1990. (DNS 2016, S.184 f.)

Der Bericht führt dazu unter

„b) Relevante nationale Nachhaltigkeitsindikatoren und –ziele / Maßnahmen
13.1.a Treibhausgasemissionen
Klimaschutz-Treibhausgase reduzieren“

nachfolgendes Schaubild über die Ziele bis 2050 auf:

(DNS 2016, S.184)

Aktuelles Qualifizierungsangebot des QFC

Umsetzung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen:

Promotor für Nachhaltigkeit und Innovation (PNI)

Die Umsetzung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen, ist auch Bestandteil der berufsbegleitenden wissenschaftlichen Weiterbildung „Promotor für Nachhaltigkeit und Innovation (FH)“ der Stiftung Arbeit und Umwelt (StAuU) und dem QFC.

Die Entwicklung und Umsetzung eines betrieblichen Nachhaltigkeits-/Innovationsprojektes ist ein wesentliches Element dieser ca. 18-monatigen Weiterbildung.

Ein neuer Durchgang wird am 15./16. Mai 2017 beginnen. Weitere Informationen, Teilnahmebedingungen, Anmeldungsformulare für das Programm finden sich unter: www.qfc.de/promotor-nachhaltigkeit-innovation/