CSR Info 46/2015. Umwelt und Lebensqualität in Europa verbessert.

Synthesebericht der Europäischen Umweltagentur

von Helmut Krodel und Peter Schmitt

Zustand der Umwelt und der Lebensqualität in Europa verbessert

Weiterhin andauernde und zunehmende ökologische Herausforderungen

Ressourceneffizienz als strategisches Handlungsfeld

Der Zustand der Umwelt und der Lebensqualität in Europa haben sich verbessert, so der Synthesebericht der Europäischen Umweltagentur, die eine fünfjährige Beurteilung zur Umweltentwicklung unter dem Titel „Die Umwelt in Europa – Zustand und Ausblick 2015 Synthesebericht“ (SOER 2015) veröffentlicht hat. ( http://www.eea.europa.eu/soer-2015/synthesis/die-umwelt-in-europa-zustand )

In dem Bericht wird auch die Erreichung der thematischen Ziele des 2013 beschlossenen 7. Umweltprogramms der Europäischen Union überprüft.

Gut leben innerhalb der Belastungsgrenzen unseres Planeten“

„Gut leben innerhalb der Belastungsgrenzen unseres Planeten“ – der Leitgedanke für das Jahr 2050 ist im 7. Umweltaktionsprogramm der EU (von 2013) festgelegt.

B 1.1Die zentralen Ziele des 7. Umweltaktionsprogramms der Europäischen dokumentieren wir nachfolgend:

 

In dem aktuellen Umweltbericht wird auch auf die Umsetzungserfolge der Wachstumsstrategie  „Europa 2020“, nach der sich Europa zu einer intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wirtschaft machen will, eingegangen.

Gleichzeitig werden auch die zukünftigen Herausforderungen durch den Klimawandel und eine nachhaltige Energieversorgung unterstrichen.

Die Kernaussagen des Berichtes „Die Umwelt in Europa – Zustand und Ausblick 2015 (SOER 2015)“ dokumentieren wir nachfolgend:

Zustand der Umwelt und der Lebensqualität verbessert

Weiterhin andauernde und zunehmende ökologische Herausforderungen

Dank der im Rahmen der europäischen Umwelt- und Klimapolitik ergriffenen Maßnahmen konnten bereits erhebliche Fortschritte erzielt werden: der Zustand der Umwelt und die Lebensqualität wurden verbessert und gleichzeitig wurden Innovationen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Wachstum gefördert. Doch Europa muss sich weiterhin einer Reihe andauernder und zunehmender ökologischer Herausforderungen stellen. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, werden grundlegende Veränderungen in den Produktions- und Konsumsystemen erforderlich sein, die die Hauptursache der ökologischen Probleme darstellen.

Dies sind einige der Kernaussagen der fünfjährlichen Beurteilung „Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2015en“ (SOER 2015) der Europäischen Umweltagentur (…). Der SOER 2015 ist eine integrierte Beurteilung der Umwelt in Europa und umfasst zudem Beurteilungen und Daten zur globalen, regionalen und nationalen Ebene sowie länderübergreifende Vergleiche.

SOER 2015 – Die Umwelt in Europa: ausgewählte Fakten und Trends

Natürliches Kapital

  • Durch EU-Maßnahmen wurde die Umweltverschmutzung reduziert, die Luft- und Wasserqualität in Europa hat sich deutlich verbessert. Die anhaltende Verschlechterung des Ökosystems bedroht indes die Wirtschaftsleistung Europas und das Wohlbefinden seiner Bürger.
  • Die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab. Der Erhaltungszustand zahlreicher geschützter Arten und Habitate gilt als ungünstig, dies belegen 60 % der Untersuchungen zu geschützten Arten und 77 % der Habitatsuntersuchungen. Europa befindet sich in Bezug auf das Ziel, den Biodiversitätsverlust bis 2020 aufzuhalten, nicht auf Kurs.
  • Die Süßwasserqualität hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch wird etwa die Hälfte aller europäischen Binnengewässer mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 keinen „guten ökologischen Zustand“ erreichen.
  • Die biologische Vielfalt in Meeres- und Küstenregionen gibt besonderen Anlass zur Besorgnis. Zu den Belastungen zählen die Schädigung des Meeresbodens, Verschmutzung, invasive gebietsfremde Arten und Versauerung. Die Überfischung im Atlantik und in der Ostsee ist zurückgegangen, im Mittelmeerraum hat sich die Lage jedoch verschlechtert: Im Jahr 2014 waren 91 % der untersuchten Bestände überfischt.
  • Im Jahr 2012 wurden weniger als 6 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Europa für den ökologischen Landbau verwendet – mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern.
  • Ausblick: Durch die Auswirkungen des Klimawandels werden sich Belastungen und Auswirkungen voraussichtlich intensivieren. Es wird erwartet, dass die zugrundeliegenden Triebkräfte des Biodiversitätsverlusts fortbestehen.

Ressourceneffizienz

  • Im Jahr 2007 betrug der Verbrauch landeseigener Ressourcen 16,7 t pro Person. Dieser Wert sank bis 2012 auf 13,7 t. Dies ist zum Teil auf den Konjunktureinbruch in der Bauwirtschaft in einigen Ländern zurückzuführen.
  • Die Abfallwirtschaft hat sich in den letzten Jahren verbessert: Das Abfallaufkommen ist gesunken, und weniger Abfälle wurden auf Deponien gelagert. Die Recyclingquoten von 21 Ländern haben sich im Zeitraum 2004 – 2012 verbessert, während die Quoten für die Abfalllagerung auf Deponien von 27 der 31 Länder, für die Daten verfügbar sind, gesunken sind. Gegenüber 22 % im Jahr 2004 erzielten die EUA-Länder im Jahr 2012 eine durchschnittliche Recyclingquote von 29 %.
  • Trotz einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 45 % seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen um 19 % zurückgegangen. Die Nutzung fossiler Brennstoffe ist rückläufig, ebenso wie die Emissionen einiger Schadstoffe aus Verkehr und Industrie.
  • Die Finanzkrise im Jahr 2008 und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben ebenfalls zu einem Rückgang einiger Umweltbelastungen beigetragen. Es wird sich zeigen, ob diese Verbesserungen nachhaltiger Natur sind.
  • Die derzeitigen Politikziele sind nicht ausreichend, um Europa ein Erreichen seiner langfristigen Umweltziele zu ermöglichen, z. B. die Senkung der Treibhausgasemissionen um 80 – 95 %.

Gesundheit und Wohlbefinden

  • Durch umweltpolitische Maßnahmen konnten die Qualität des Trinkwassers sowie von Badegewässern verbessert und die Exposition gegenüber den wichtigsten gefährlichen Schadstoffen verringert werden.
  • Luft- und Lärmbelastung verursachen in städtischen Gebieten auch weiterhin ernste gesundheitliche Schäden. Im Jahr 2011 wurden etwa 430 000 vorzeitige Todesfälle in der EU auf Feinstaub zurückgeführt, während die Exposition gegenüber Lärm jährlich mindestens 10 000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herzerkrankungen bedingt.
  • Es wurde ein Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Einsatz von Chemikalien, insbesondere in Konsumgütern, und einer beobachteten Zunahme hormonell bedingter Erkrankungen und Störungen beim Menschen festgestellt.
  • Die geplanten Verbesserungen der Luftqualität werden voraussichtlich nicht ausreichen, um anhaltende Schäden zu vermeiden, während gleichzeitig von einer Verschärfung der Auswirkungen des Klimawandels ausgegangen wird.
  • Im Zeitraum 2000 – 2011 ist der Umweltsektor um mehr als 50 % gewachsen und zählt damit zu den wenigen Sektoren, die seit der Finanzkrise im Jahr 2008 in Bezug auf Einnahmen und Arbeitsplätze einen Aufschwung verzeichnen konnten.“

(Presseerklärung Europäisches Umweltamt zur Veröffentlichung von SOER 2015, 3.März 2015)

Eine erhöhte Rohstoffeffizienz ist grundlegend für anhaltenden  sozioökonomischen Fortschritt, so das Europäische Umweltamt (SOER, 2015, S.83). Materialnutzung, die Abhängigkeit von einzelnen Rohstoffen, der ökologische Fußabdruck, wie auch die Ressourceneffizienz, werden zukünftig eine zunehmende Bedeutung erhalten. Nachfolgend dokumentieren wir dazu Zahlen aus dem Synthesebericht:

Weltweite Materialnutzung wird sich bis 2030 verdoppeln

Die weltweite Nutzung von Ressourcen hat sich seit 1900 verzehnfacht und wird sich voraussichtlich bis 2030 noch mal verdoppeln (SOER, S.91). Das nachfolgende Schaubild zeigt die Entwicklung der Nutzung von verschiedenen Ressourcentypen wie Baumaterial, Erze und Industriemineralien, fossile Energieträger und Biomasse.

Globale Gesamte Material Nutzung nach Ressourcentyp 1900 – 2009 (in Milliarden Tonnen)
Global total material use by ressource typ 1900 – 2009

 

Data source: Krausmann et al. 2009, ( data updated 2011) , zitiert nach: Europäische Umweltagentur (SOER 2015 explore presentation, S. 91)

Data source: Krausmann et al. 2009, ( data updated 2011) , zitiert nach: Europäische Umweltagentur (SOER 2015 explore presentation, S. 91)

(http://www.eea.europa.eu/soer )

Lieferkettenrisiko bei einzelnen Rohstoffreserven

Die geographische Konzentration einiger Rohstoffreserven (wie z. B. Seltene Erden oder strategisch wichtige Metalle), die schwerpunktmäßig in nur einem Land vorkommen, können ein Lieferkettenrisiko für die EU-Länder darstellen:

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.93)

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.93)

Ökologischer Fußabdruck größer als Biokapazität der Erde

Unter dem Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen.

Der ökologische Fußabdruck misst den Verbrauch ökologischer Ressourcen und drückt ihn in einem Maß für die Fläche aus („globale Hektare“), die für deren Bereitstellung benötigt wurde. Berücksichtigt wird der Flächenbedarf für Nahrung, Holz, Textilfasern, Waldfläche für die Bindung von CO2 sowie Siedlungszwecke. Er beinhaltet auch unterschiedlichste Leistungen wie Abfallabsorption.

Nachfolgendes Schaubild zeigt, dass keiner der 28 EU Mitgliedsstaaten die nachhaltige Weltbiokapazität von ca. 1.8 Hektar pro Person/pro Jahr einhält, sondern dass der ökologische Fußabdruck mehr als doppelt bis dreimal so hoch ist.

Schaubild: Ökologischer Fußabdruck (Hektar pro Person pro Jahr, 2008) und Index der menschlichen Entwicklung (2012)

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.184)

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.184)

Deutschland bei Ressourcenproduktivität im Mittelfeld

Vergleicht man die Ressourcenproduktivität, also das Verhältnis zwischen Wirtschaftsleistung (BIP) und inländischem Materialverbrauch (DMC)  zwischen verschiedenen europäischen Ländern wie in nachfolgendem Schaubild dargestellt, so liegt Deutschland auf Platz 9.

Schaubild: Ressourcenproduktivität (GDP/DMC)  (=  Bruttosozialprodukt / Materialressourcennutzung) in 32 Europäischen Länder (2000 und 2012)

Tab 4

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.217)

Bei der Nutzung der inländischen Materialressourcen pro Person ergibt sich für die Jahre 2000, 2007 und 2012 folgendes Bild für 32 europäische Länder:

Schaubild: Inländische Materialressourcen pro Person
material ressource use per capita (DMC) per capita

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.216)

(Europäische Umweltagentur – SOER 2015 explore presentation, S.216)

Ressourceneffizienz steigern – Einer der Schwerpunkte während der deutschen  G-7 Präsidentschaft

Die Bundesregierung will die Steigerung der Ressourceneffizienz, um damit auch die Reduzierung zukünftiger CO2-Emissionen zu einem der Schwerpunkte während ihrer deutschen G-7-Präsidentschaft zu machen.

„50 % der industriellen CO2-Emissionen gehen auf Produktion und Verarbeitung von nur 5 Grundstoffen zurück

  • Stahl
  • Zement
  • Papier
  • Plastik
  • Aluminium

Weltweit wurden im Jahr 2009 über 68 Milliarden Tonnen Rohstoffe eingesetzt (dies sind ca. 10 Tonnen Rohstoff pro Erdbewohner pro Jahr). Dies war doppelt so viel wie 1970 und ein Drittel mehr als im Jahr 2000. Prognosen gehen bei einem „business as  usual“ von exponentiellem weiterem Wachstum aus. Prognosen zufolge soll die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf über 9 Milliarden Menschen wachsen und viele Schwellenländer verzeichnen ein rasantes Wirtschaftswachstum und deutlichen Wohlstandszuwachs. Deshalb nehmen die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch die Umweltbelastungen weiterhin stark zu.

Die Bundesregierung will den anderen G-7-Partnern die Gründung einer Allianz für Ressourceneffizienz vorschlagen. (…)

Material und Rohstoffkosten sind mit 45 Prozent der mit Abstand größte Kostenblock im Produzierenden Gewerbe. Damit kommt der Ressourceneffizienz als Innovationstreiber in Unternehmen eine zentrale Bedeutung für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und Umweltschutz zu“,

so das  Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, in einer gemeinsamen Pressekonferenz am 12.03.2015.

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