CSR Info 40/2014: Deutscher Nachhaltigkeitskodex 2014

Nachhaltigkeitsgedanken voranbringen

Zielsetzung: Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen transparent und vergleichbar machen

von Helmut Krodel und Peter Schmitt

Der deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde  erstmals am 13. Oktober  2011  vom Rat für Nachhaltige Entwicklung nach einem Stakeholderprozess 2010/2011 beschlossen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung berät die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Dem Rat gehören15 Personen des öffentlichen Lebens an, darunter auch der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis.

Im Sommer 2014 wurde der Nachhaltigkeitskodex vom Rat für Nachhaltige Entwicklung aktualisiert und am 15.Oktober 2014 wurde die Neufassung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex veröffentlicht. (Download Nachhaltigkeitskodex)

Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex und weiterführende Informationen zu Anwendung des Kodex.

Nachhaltigkeitsgedanken voranbringen

Ziel des Deutschen Nachhaltigkeitskodex ist „den Nachhaltigkeitsbedanken voranzubringen und die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen transparent und vergleichbar zu machen“. (Deutscher Nachhaltigkeitskodex,S.1 )

Umfang des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex umfasst nachfolgende 20 Kriterien in den Bereichen Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft:

„Kriterien 1 – 4 zu STRATEGIE

Strategische Analyse und Maßnahmen

1. Das Unternehmen legt offen, wie es für seine wesentlichen Aktivitäten die Chancen und Risiken im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung analysiert. Das Unternehmen erläutert, welche konkreten Maßnahmen es ergreift, um im Einklang mit den wesentlichen und anerkannten branchenspezifischen, nationalen und internationalen Standards zu operieren.

Wesentlichkeit

2. Das Unternehmen legt offen, welche Aspekte der Nachhaltigkeit einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit haben und wie es diese in der Strategie berücksichtigt und systematisch adressiert.

Ziele

3. Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele gesetzt und operationalisiert werden und wie deren Erreichungsgrad kontrolliert wird.

Tiefe der Wertschöpfungskette

4. Das Unternehmen gibt an, welche Bedeutung Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertschöpfung haben und bis zu welcher Tiefe seiner Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitskriterien überprüft werden.

Kriterien 5 – 10 zu PROZESSMANAGEMENT 

Verantwortung

5. Die Verantwortlichkeiten in der Unternehmensführung für Nachhaltigkeit werden offengelegt.

Regeln und Prozesse

6. Das Unternehmen legt offen, wie die Nachhaltigkeitsstrategie durch Regeln und Prozesse im operativen Geschäft implementiert wird.

Kontrolle

7. Das Unternehmen legt offen, wie und welche Leistungsindikatoren zur Nachhaltigkeit in der regelmäßigen internen Planung und Kontrolle genutzt werden. Es legt dar, wie geeignete Prozesse Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit und Konsistenz der Daten zur internen Steuerung und externen Kommunikation sichern.

Anreizsysteme

8. Das Unternehmen legt offen, wie sich die Zielvereinbarungen und Vergütungen für Führungskräfte und Mitarbeiter auch am Erreichen von Nachhaltigkeitszielen und an der langfristigen Wertschöpfung orientieren. Es wird offengelegt, inwiefern die Erreichung dieser Ziele Teil der Evaluation der obersten Führungsebene (Vorstand/ Geschäftsführung) durch das Kontrollorgan (Aufsichtsrat/Beirat) ist.

Beteiligung von Anspruchsgruppen

9. Das Unternehmen legt offen, wie gesellschaftliche und wirtschaftlich relevante Anspruchsgruppen identifiziert und in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden. Es legt offen, ob und wie ein kontinuierlicher Dialog mit ihnen gepflegt und seine Ergebnisse in den Nachhaltigkeitsprozess integriert werden.

Innovations- und Produktmanagement

10. Das Unternehmen legt offen, wie es durch geeignete Prozesse dazu beiträgt, dass Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen die Nachhaltigkeit bei der eigenen Ressourcennutzung und bei Nutzern verbessern. Ebenso wird für die wesentlichen Produkte und Dienstleistungen dargelegt, ob und wie deren aktuelle und zukünftige Wirkung in der Wertschöpfungskette und im Produktlebenszyklus bewertet wird.

Kriterien 11 – 13 zu UMWELT

Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen

11. Das Unternehmen legt offen, in welchem Umfang natürliche Ressourcen für die Geschäftstätigkeit in Anspruch genommen werden. Infrage kommen hier Materialien sowie der Input und Output von Wasser, Boden, Abfall, Energie, Fläche, Biodiversität sowie Emissionen für den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen.

Ressourcenmanagement

12. Das Unternehmen legt offen, welche qualitativen und quantitativen Ziele es sich für seine Ressourceneffizienz, den Einsatz erneuerbarer Energien, die Steigerung der Rohstoffproduktivität und die Verringerung der Inanspruchnahme von Ökosystemdienstleistungen gesetzt hat und wie diese erfüllt wurden bzw. in Zukunft erfüllt werden sollen.

Klimarelevante Emissionen

13. Das Unternehmen legt die Treibhausgas(THG)-Emissionen entsprechend dem Greenhouse Gas (GHG) Protocol oder darauf basierenden Standards offen und gibt seine selbst gesetzten Ziele zur Reduktion der Emissionen an.

Kriterien 14 – 20 zu GESELLSCHAFT

Arbeitnehmerrechte

14. Das Unternehmen berichtet, wie es national und international anerkannte Standards zu Arbeitnehmerrechten einhält sowie die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens fördert.

Chancengerechtigkeit

15. Das Unternehmen legt offen, wie es national und international Prozesse implementiert und welche Ziele es hat, um Chancengerechtigkeit und Vielfalt (Diversity), Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Integration von Migranten und Menschen mit Behinderung, angemessene Bezahlung sowie Vereinbarung von Familie und Beruf zu fördern.

Qualifizierung

16. Das Unternehmen legt offen, welche Ziele es gesetzt und welche Maßnahmen es ergriffen hat, um die Beschäftigungsfähigkeit, d. h. die Fähigkeit zur Teilhabe an der Arbeits- und Berufswelt aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und im Hinblick auf die demografische Entwicklung anzupassen.

Menschenrechte

17. Das Unternehmen legt offen, welche Maßnahmen für die Lieferkette ergriffen werden, um zu erreichen, dass Menschenrechte weltweit geachtet und Zwangs- und Kinderarbeit sowie jegliche Form der Ausbeutung verhindert werden.

Gemeinwesen

18. Das Unternehmen legt offen, wie es zum Gemeinwesen in den Regionen beiträgt, in denen es wesentliche Geschäftstätigkeiten ausübt.

Politische Einflussnahme

19. Alle wesentlichen Eingaben bei Gesetzgebungsverfahren, alle Einträge in Lobbylisten, alle wesentlichen Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen, alle Zuwendungen an Regierungen sowie alle Spenden an Parteien und Politiker sollen nach Ländern differenziert offengelegt werden.

Gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten

20. Das Unternehmen legt offen, welche Maßnahmen, Standards, Systeme und Prozesse zur Vermeidung von rechtswidrigem Verhalten und insbesondere von Korruption existieren und wie sie geprüft werden. Es stellt dar, wie Korruption und andere Gesetzesverstöße im Unternehmen verhindert, aufgedeckt und sanktioniert werden.“ (Deutscher Nachhaltigkeitskodex S.3-5)

Entsprechenserklärung nach dem Prinzip „comply“ oder „explain“

„Deutsche Unternehmen und Organisationen wenden den Nachhaltigkeitskodex freiwillig an. Zu seinen 20 Kriterien geben Unternehmen eine auf das Wesentliche abstellende Erklärung über ihre Maßnahmen zur ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit ab. Quantifizierbare Leistungsindikatoren unterstützen diese Informationen und erhöhen die Vergleichbarkeit von Entsprechenserklärungen. Branchenspezifische Konkretisierungen und Ergänzungen sind möglich.

In einer Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex berichtet das Unternehmen, wie es den Kodexkriterien entspricht (comply), oder erklärt plausibel, warum es ein Kriterium gegebenenfalls nicht berichtet (explain).“ (Deutscher Nachhaltigkeitskodex, S.1)

„Unternehmen berichten oder erklären die Abweichung, wenn Daten noch nicht erhoben werden oder die geforderten Informationen für den Geschäftsfall nicht wesentlich sind. Auch Entsprechenserklärungen mit mehreren Fehlstellen sind vollwertig, denn sie ermöglichen den Nutzern der Informationen eine Einschätzung, wo ein Unternehmen, eine Organisation im Nachhaltigkeitsprozess steht.“ (Deutscher Nachhaltigkeitskodex, S.6)

Die Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung hat eine „“Eingabehilfe für das Online-Tool zur Erstellung einer DNK-Entsprechenserklärung“ veröffentlicht. (Download)

Änderung bei den Leistungsindikatoren 

Die Berichterstattung zu den 20 Kriterien erfolgt nach ausgewählten Indikatoren der Global Reporting Initiative (GRI) und des Dachverbandes der nationalen Verbände der europäischen Finanzanalysten (European Federation of Financial Analysts Societies – EFFAS).

Die Zahl der Leistungsindikatoren hat sich in der aktualisierten  Fassung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex von 27 GRI G 3.1 auf 28 GRI G4 Indikatoren gesteigert, im Fall der Anwendung der EFFAS KPIs for ESG von 19 auf 16 reduziert.

Nutzen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

„Der Nutzen des DNK liegt in seiner komprimierten und anwenderfreundlichen Form. Sie stellt Unternehmen aller Größen einen Rahmen zur Berichterstattung über das eigene Nachhaltigkeitsmanagement zur Verfügung. Die klare Struktur und die Konzentration auf die wesentlichen Kriterien stellen zentrale Vorteile des DNK dar. Sie fördern die Vergleichbarkeit der Angaben. Das Unternehmen schafft sich mit einem dem DNK entsprechenden Bericht eine Quelle für die Beantwortung von Nachfragen aus dem Unternehmen selbst und aus dessen Umfeld. Der Nachhaltigkeitskodex nützt bei der internen Steuerung und strategischen Zukunftsorientierung des Unternehmens. Er ist insbesondere für alle Unternehmen und Organisationen ohne etabliertes Berichtswesen sinnvoll. Um eine höhere Glaubwürdigkeit zu erzielen, steht es Unternehmen frei, die Informationen durch Dritte überprüfen zu lassen.“ (Leitfaden zum DNK, S.1)

Leitfaden zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex – Orientierungshilfe für mittelständische Unternehmen

DNK_titelblattDer Rat für Nachhaltige Entwicklung und die Bertelsmann Stiftung haben einen „Leitfaden zum DNK“ herausgegeben, der sich insbesondere als eine Orientierungshilfe für mittelständische Unternehmen versteht.

„Nachhaltigkeit bedeutet Wohlstand für alle, aber weder auf Kosten anderer Länder, anderer Menschen und künftiger Generationen noch zulasten der

natürlichen Umwelt. Kurz: Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderswo. Nachhaltig wirtschaften heißt demnach in die Zukunft blicken und dabei soziale, ökologische und ökonomische Ziele austarieren.

(Leitfaden zum DNK, S.2)

Nachhaltigkeit für viele KMU Teil ihres Alltags

„Nachhaltigkeit ist für viele KMU Teil ihres Alltags: Viele richten ihr Handeln langfristig, sozial und ökologisch verantwortlich aus – oft schon seit Jahrzehnten oder Generationen. Der Finanzmarkt, der Klimawandel, knappere Ressourcen, die demographische Entwicklung, bedrohte Naturräume oder die rasante Digitalisierung stellen diese Unternehmen jedoch vor neue Herausforderungen.“ (S.4 Vorwort Leitfaden zum DNK, S.4 )

Bisweilen nur begrenzte Unterstützung für den Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Der freiwillig anzuwendende Deutsche Nachhaltigkeitskodex erfreut sich bisweilen nur einer begrenzten Unterstützung durch die Unternehmen in Deutschland. Obwohl es den Kodex bereits seit 3 Jahren gibt, haben bis November 2014 nur 75 Unternehmen eine Entsprechenserklärung abgegeben.

Aus dem Organisationsbereich der IG BCE haben u.a. 13 Unternehmen eine Entsprechenserklärung abgegeben: BASF SE, Bayer AG, E.ON SE, EnBW AG, Evonik, Linde AG, Merck KGaA, Nölken Hygiene Products, Puma SE, RWE AG, Solar World AG, Steinbeis Papier GmbH, UPM Kymmene.

Mit der neuen EU-Berichtspflicht  für Unternehmen im öffentlichen Interesse mit mehr als 500 Beschäftigten, könnte der Deutsche Nachhaltigkeitskodex auch für mehr Unternehmen ein Instrument zur Berichterstattung ihrer Nachhaltigkeitsleistungen darstellen.

Deutscher Nachhaltigkeitskodex geeignet für neue EU-Berichtspflicht zur Offenlegung von nicht finanziellen Informationen

„Die EU-Kommission hat den Deutschen Nachhaltigkeitskodex als einen möglichen Standard zur Erfüllung der ab 2016 geltenden europäischen Pflicht zur nicht finanziellen Berichterstattung von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern genannt, die im öffentlichen Interesse stehen.“ (Deutscher Nachhaltigkeitskodex S.1)

Deutscher Nachhaltigkeitskodex und UN Global Compact

„Unternehmen, die am UN Global Compact teilnehmen, können die Entsprechenserklärung auch als Fortschrittsmitteilung (COP bzw. Communication on Progress) nutzen. Um die Mindestanforderungen des

Global Compact zu erfüllen, sollte die Entsprechenserklärung zusätzlich eine

Erklärung der Geschäftsführung zum fortdauernden Engagement des Unternehmens im Global Compact und zu weiteren Anstrengungen zur Umsetzung und Förderung der zehn Prinzipien enthalten.“ (Leitfaden zum DNK, S.9)

Foto im Titel: BertelsmannStiftung

Herausgeber:

Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH
Eisenbahnstraße 3
06132 Halle / Saale

Telefon: 0345 21768 0
Fax: 0345 21768 21
www.qfc.de

Stiftung Arbeit und Umwelt
der IG Bergbau, Chemie, Energie
Königsworther Platz 6
30167 Hannover

Telefon: (0511) 7631-433
Fax: (0511) 7631-782
www.arbeit-umwelt.de 

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