CSR Info 30/2013. Neue Nachhaltigkeitsinitiative in der Chemischen Industrie

Nachhaltigkeit: die Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung

von Helmut Krodel und Peter Schmitt

Ende Mai stellten in Frankfurt die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) ihre gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ vor.

Nachhaltigkeit wird darin verstanden als „Verpflichtung gegenüber den jetzigen und künftigen Generationen und als Zukunftsstrategie, in der wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung verknüpft ist“.

ChemieHoch3Leitlinien_Nachhaltigkeit_Seite_2Kern der Initiative Chemie³ sind folgende 12 Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland:

  1. Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie integrieren
  2. Wertentwicklung und Investitionen nachhaltig gestalten
  3. Wirtschaftliche Stabilität stärken und globale Zusammenarbeit ausbauen
  4. Mit Innovationen Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung leisten
  5. Nachhaltigkeit in betrieblichen Prozessen umsetzen
  6. Gute Arbeit sichern und Sozialpartnerschaft leben
  7. Demografischen Wandel gestalten und Fachkräftebedarf sichern
  8. Mensch, Umwelt und biologische Vielfalt schützen
  9. Ressourceneffizienz und Klimaschutz fördern
  10. Als guter Nachbar Engagement und Verantwortung zeigen
  11. Transparenz herstellen und Integrität leben
  12. Dialog pflegen und Beteiligungsmöglichkeiten fördern

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Die Leitlinien greifen Kernelemente aus nationalen und internationalen Initiativen und Standards, wie die 10 Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeits-organisation (ILO) und die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen auf.

Die Leitlinien sollen, als branchenspezifischer Rahmen, den Unternehmen und ihren Beschäftigten Orientierung für ihr Handeln geben.
Ein erstmals gemeinsam veröffentlichter Branchenbericht der drei Allianzpartner gibt eine Reihe von Beispielen, welche Beiträge die Chemie in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit leistet.

[button color=“light“ link=“http://www.chemiehoch3.de/fileadmin/user_upload/t3bp/Images/misc/20130516_CHEMIE3_NH-Publikation_fin.pdf“ target=“blank“]Branchenbericht[/button]

Der Bericht  informiert über Ziele, Leistungen und Lösungen der Chemiebranche für nationale und globale Herausforderungen.
Die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³  soll einen konkreten Beitrag leisten, um Lösungen auch für zukünftige globale Herausforderungen aufzuzeigen.

Dazu der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis:

„Die steigende Weltbevölkerung bringt einen erhöhten Bedarf an Energie, Rohstoffen, Nahrung, medizinischer Versorgung und Mobilität mit sich. Gleichzeitig müssen wir aufgrund des Klimawandels, der Regenerationsgrenzen der Ökosysteme und der Verknappung der Rohstoffe klug und verantwortungsbewusst mit unseren natürlichen Ressourcen umgehen. Nicht zuletzt suchen schon heute Millionen Menschen Arbeit zu vernünftigen Bedingungen. Wenn wir diese Herausforderungen bewältigen wollen, dann brauchen wir eine Industrie, die in Lösungen denkt – und diese auch konkret schafft.“ (S.3)

Zur Zielsetzung der Chemie³ – Initiative gehört es auch, die Nachhaltigkeitsstratege nicht nur in großen Unternehmen, sondern auch in kleinen und mittleren Betrieben einzuführen, denn 90 % der Chemieunternehmen in Deutschland zählen zum Mittelstand.

Michael Vassiliadis:

„Wir machen sicher schon vieles gut, aber natürlich nicht alles richtig. Das zu behaupten wäre vermessen. Doch ich finde es sehr ermutigend, dass wir jetzt gemeinsam anfangen, all das, was wir bisher an verschiedenen Stellen getan haben, mit gebündelter Kraft voranzutreiben. Wir sind eine starke Industrie und wollen als eine laute und deutliche Stimme im Konzert der Nachhaltigkeit gehört werden. Unser Ziel ist es, eine Nachhaltigkeitsstrategie in der Branche einzuführen, die vom kleinen Betrieb bis zum großen Unternehmen alle in eine Richtung blicken lässt.“ (S.4)

In der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit sieht die Branche den Schlüssel zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit. „Die Nachhaltigkeitsinitiative ist die richtige Strategie für die Zukunft der Branche“, erklärte VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley anlässlich der Vorstellung von Chemie3. Die Entwicklung innovativer Lösungen für globale Herausforderungen trage dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemie zu stärken. Kley verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Branche als Schrittmacher und Innovationsmotor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Innerhalb der Wirtschaft ist die Industrie das Rückgrat – und innerhalb der Industrie ist die Chemie ein starker Wirbel“, erläuterte er. Eine starke und florierende Chemie sei zum Beispiel unverzichtbar für das Erschließen neuer Energiequellen, für energiesparendes Bauen und Wohnen oder eine umweltfreundliche Mobilität.

Der VCI-Präsident betonte, dass die Nachhaltigkeitsinitiative keine „Kuschelaktion“ der drei Allianzpartner sei: „Wir ziehen alle an einem Strang, weil wir davon überzeugt sind, dass Nachhaltigkeit nicht verordnet werden kann. Nachhaltigkeit muss gemeinschaftlich umgesetzt werden.“

Margret Suckale, stellvertretende Vorsitzende des BAVC, erklärte: „Wir haben etwas geschaffen, das es bisher so in keiner anderen Branche gibt. Als Arbeitgeber, Gewerkschaft und Wirtschaftsverband wollen wir mit Chemie³ zeigen, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Nachhaltigkeit bedeute, ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen in Einklang zu bringen. „Ohne Sozialpartnerschaft ist das nicht denkbar, denn nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern“, sagte Suckale. „Hier kann die chemische Industrie auch als Modell für andere Branchen dienen.“

„Mit unseren Leitlinien verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit umfasst“, bestätigte auch der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. In der Politik dagegen werde die Debatte um Nachhaltigkeit noch zu eindimensional geführt und häufig nur mit Ökologie gleichgesetzt. Es fehle bisher ein ganzheitlicher Ansatz.

Unterschiedliche Ressorts ziehen zum Teil in ganz unterschiedliche Richtungen. Dies schaffe vermeidbare Hemmnisse für eine nachhaltige Entwicklung der Industrie.

„Wenn es uns ernst ist mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung, muss auch die Politik neue Ansätze finden, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit bei Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen“, folgerte Vassiliadis. „Wir wollen daher mit der Politik einen Dialog über neue Ansätze für eine nachhaltige Industriepolitik führen“, so der Gewerkschaftsvorsitzende.

Der Hinweis, dass die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit bei Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen sind, dürfte der derzeitigen Diskussion um die Verbindlichkeit von Nachhaltigkeit und um die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen (CSR  verstanden als die Umsetzung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen) in Deutschland neue Impulse geben. Denn klare gesetzliche Regelungen, um die Umsetzung von  Nachhaltigkeitselementen verbindlich festzuschreiben, werden trotz ihres umfangreichen CSR-Engagements von vielen Unternehmen in Deutschland weitestgehend abgelehnt.

Mit Chemie³  hat die Chemische Industrie ihr Nachhaltigkeitsverständnis aus dem Jahr 2012 (siehe dazu QFC-CSR-Info 21/2012 vom 27.08.2012) präzisiert und setzt damit neue Maßstäbe, die auch in anderen Branchen aufgenommen und weiterentwickelt werden sollten.

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