CSR Info 28/2013 „Wasser? Wasser ist ein Menschenrecht!“

„Alle 3 ½ Sekunden stirbt ein Kind, nur weil es kein sauberes Wasser hat“

von Helmut Krodel und Peter Schmitt  (Druckversion)

„Alle 3 ½ Sekunden stirbt ein Kind, nur weil es kein sauberes Wasser hat“, so der UN-Botschafter Boliviens Pablo Solón, vor der UN-Abstimmung über das Menschenrecht auf sauberes Wasser im Juli 2010.

Die Vereinigten Nationen haben im Juli 2010 auf der Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten mit 122 Stimmen das Recht auf sauberes Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Eine entsprechende Resolution war von Bolivien vorgelegt und von 33 anderen Staaten unterstützt worden.

Es war nicht sehr überraschend, dass die Industriestaaten in der Ära zunehmender Privatisierung des Wassers, bei den Stimmenthaltungen überproportional vertreten waren. Deutschland hatte für die Resolution gestimmt.

Auch wenn der Anspruch auf sauberes Wasser rechtlich nicht einklagbar ist, so hat seine Verankerung in den Menschenrechten einen hohen symbolischen Wert und durchaus Auswirkungen auf die Politik von Staaten und den Vereinten Nationen. Aber auch Unternehmen sind nach den 2011 verabschiedeten „UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“  angehalten, in ihrem Einflussbereich die Menschenrechte zu achten.

2013 –  Internationales Jahr der Wasserkooperation

Die Vereinten Nationen beschlossen 2010 auch das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Zusammenarbeit zum Wasser zu erklären.

Abbildung 2Auch der Weltwassertag am 22. März war dem Thema „Wasser und Zusammenarbeit gewidmet“. Die UNESCO organisiert im Auftrag der Vereinten Nationen die Aktivitäten zum Weltwasserjahr, in dem mit einem multidisziplinären Ansatz Natur- und Sozialwissenschaften, Bildung, Kultur und Kommunikation zusammengeführt wird.

„Ziel des Internationalen Jahres ist, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Zusammenarbeit im Bereich Wasser die Regel und nicht die Ausnahme ist und dass Zusammenarbeit zu Wasserressourcen der Auftakt sein kann für Zusammenarbeit in anderen Gesellschaftsbereichen. Das Jahr wird auch aufmerksam machen

auf die Herausforderungen der Wasserwirtschaft im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach Wasser, sowie Fragen des Zugangs, der Verteilung und der Dienstleistungen rund um das Wasser.

Das Jahr wird erfolgreiche Beispiele der Zusammenarbeit identifizieren und die aktuellen Prioritäten darlegen – Wasser in der Bildung, in der Diplomatie, grenzüberschreitendes Wassermanagement, Zusammenarbeit zu Finanzierung, nationale und internationale rechtliche Rahmenbedingungen, und die Verknüpfungen mit den Millenniums-Entwicklungszielen. Das Jahr wird auch einen Rahmen bieten, um die Ergebnisse der Konferenz der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Rio +20) weiter zu tragen, hin zu wirklich nachhaltigen neuen Zielen für Wasserver- und -entsorgung.“

(siehe dazu : Tag des Wassers,  Internationales Jahr der Wasserkooperation )

[toggle title=“Einige Fakten zum Wasser“]

  • 884 Millionen Menschen haben immer noch kein sauberes Wasser
  • Verunreinigtes Trinkwasser ist weltweit die Hauptursache für Cholera und Durchfallerkrankungen; der schnelle Anstieg der Cholerafälle mit über 100 000 Todesopfern im letzten Jahrzehnt hängt mit einer unzureichenden Wasserversorgung zusammen
  • Gäbe es überall einfache sanitäre Anlagen und sauberes Trinkwasser, könnten neun von zehn Durchfallerkrankungen verhindert werden und damit zehn Prozent aller Erkrankungen weltweit.
  • 2.6 Milliarden Menschen verfügen heute nicht einmal über einfache sanitäre Anlagen
  • Weltweit fließen 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer, in Entwicklungsländer sind es bis zu 90 Prozent
  • Jedes Jahr gehen durch Durchfallerkrankungen über 400 Millionen Schultage verloren. Millionen Kinder verpassen so die Chance auf Bildung und auf einen Weg aus der Armut.

(Zahlen nach dem  4.Weltwasserbericht der UNESCO  2012 >> als PDF Datei)

Wasserverbrauch von Nahrungsmittel und Konsumprodukten

  • in Deutschland verbraucht jeder Bürger ca. 122 Liter Wasser pro Tag, davon ca. 5 l für das Essen und Trinken
  • Berücksichtigt man jedoch das Wasser („virtuelles“ Wasser), das zur Erzeugung eines Produktes, z. B. Lebensmittel-  und Konsumartikel, verbraucht wird, dann verbraucht jeder Deutsche pro Tag ca.  4000 Liter Wasser.
  • Virtueller Wasserverbrauch für Anbau / Produktion / Herstellung in Liter Wasser:
  • 1 Tasse Kaffee (0.2 l)  140 l
  • 1 kg Weizen  1 500 l
  • 1 kg Rindfleisch     15 000 l
  • 1 Baumwoll-T­-Shirt    2000 l
  • 1 Jeans      6000 l
  • 1 Blatt Papier   10 l
  • 1 Mikrochip   32 l

( vgl. dazu Umweltbundesamt , Projekt Virtuelles Wasser)

Unsere Konsumentscheidungen führen auch dazu, dass wir mit den Produkten und Lebensmitteln,  die wir benutzen, auch „virtuelles“ Wasser aus anderen Ländern verbrauchen. Wir können also auch durch unser Konsumverhalten unsere individuelle „Wasser-Bilanz“ beeinflussen.[/toggle]

Right2Water-Initiative (zur Website)

In Europa hat die Initiative Right2Water, die das Recht auf Wasser sensibilisiert,  folgende Ziele formuliert:

  1. Wasser und sanitäre Grundversorgung als Garantie für alle Menschen in Europa.
  2. Keine Liberalisierung der Wasserwirtschaft.
  3. Universeller (globaler) Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung.

Derzeit organisiert Right2water eine Unterschriftenaktion für eine geplante Europäische Bürgerinitiative:

Wasser und Sanitäre Grundversorgung sind ein Menschenrecht

Abbildung 1Wasser ist ein Öffentliches Gut, keine Handelsware – Wir fordern die Europäische Kommission zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags auf, der das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung entsprechend der Resolution der Vereinten Nationen durchsetzt und eine funktionierende Wasser- und Abwasserwirtschaft als existenzsichernde öffentliche Dienstleistung für alle Menschen fördert. Diese EU-Rechtsvorschriften sollten die Regierungen dazu verpflichten, für alle Bürger und Bürgerinnen eine ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser sowie eine sanitäre Grundversorgung sicherzustellen. Wir stellen nachdrücklich folgende Forderungen:

  1. Die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Bürger und Bürgerinnen das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung haben.
  2. Die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen darf nicht den Binnenmarktregeln unterworfen werden. Die Wasserwirtschaft ist von der Liberalisierungsagenda auszuschließen.
  3. Die EU verstärkt ihre Initiativen, einen universellen Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung zu erreichen (http://www.right2water.eu/de/node/5)

„IG BCE unterstützt Menschenrecht auf sauberes Wasser

Wasser ist der Ursprung allen Lebens und eines der wichtigsten Lebensmittel. Ohne Wasser können Menschen nicht leben, durch unsauberes Wasser sterben jedes Jahr Millionen.

Im Jahr 2010 erklärten die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser zu einem Menschenrecht. Doch trotz dieses Sonderstatus kämpfen an vielen Orten der Erde Menschen um Wasser.

Daher hat der geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE beschlossen, das Ziel der Europäischen Bürgerinitiative zu unterstützen, das Menschenrecht auf den Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung rechtlich zu sichern und zu verwirklichen. Mit ihren Internationalen Organisationen setzt sich die IG BCE dafür ein, dass das Menschenrecht auf Wasser erfüllt wird, und empfiehlt ihren Mitgliedern, die Europäische Bürgerinitiative zu unterzeichnen.

Unterstützen auch Sie die Initiative:

(Siehe Artikel auf igbce.de)

Im April 2012 hatten bereits 1.5 Million Menschen diese Europäische Bürgerinitiative unterstützt. Bis September 2013 sollten es 2 Millionen Unterschriften werden.

Das QFC unterstützt ebenfalls diese Initiative und ruft zur Beteiligung an der Unterschriftenaktion auf.

zur Initiative

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